Gütersloh Malerei Tanz

Pepe Peps verarbeitet die Erfahrungen junger Menschen aus dem Corona-Lockdown zu einem Mural

2020 – das Jahr des Coronavirus. Was macht die Pandemie mit uns? Schüler*innen und Künstler*innen erschaffen gemeinsam ein Mural, das bleibt.

Die im Rahmen der Stadtbesetzung entstandene Arbeit „lockdown – views of pandemia“ zeigt die verschiedenen negativen wie positiven Blickwinkel in Zeiten der Pandemie und konkret des CoVid-19 Lockdown. Es verarbeitet die Eindrücke und Gedanken einer Gruppe von Schüler*innen des städtischen Gymnasiums Gütersloh. Diese sind im Rahmen eines digitalen Künstler-Workshops entstanden und werden von Pepe Peps zu einem Mural transformiert. Ohne Zweifel wird die anhaltende Pandemie die Geschichte für das Jahr 2020 prägen. Das Mural wird bleiben, als Zeitzeugnis einer weltweiten Bedrohung und Blaupause unseres gelebten Alltags.

Zur ersten Präsentation des Murals soll nun auf Grund der aktuellen Situation statt der geplanten Tanzperfomance ein Video aufgenommen werden. Darin beschäftigen sich die Tänzerinnen einerseits mit der Kraft von Beziehung, in dem sie subtile Verschiebungen der gegebenen Situation einbauen, sowie die Sprache des Körpers in den Fokus rücken. Gleichzeitig untersuchen sie, inwieweit das Kollektiv genauso sichtbar und stark sein kann wie jedes Individuum. Es ist eine Annäherung an das Format der digitalen Übertragung. Schon in der Herangehensweise haben sie immer im Fokus gehabt, dass es keine Live-Performance ist, sondern eine Arbeit, die von Anfang an speziell auf dieses Format ausgerichtet werden soll.

„Wir fragten uns immer wieder, wie unsere Relation zueinander ist. Da gibt es einen Raum, da ist eine Installation, Menschen, Bewegung, Geräusche und gleichzeitig auferlegte Regeln, an die man sich halten muss“, sagt Josephine Kalies über die Performance. In all dem Chaos, wodurch definiert sich die Beziehung zueinander? Und wie können wir diese Beziehung auf einem zweidimensionalen Bildschirm sichtbar machen? Wie kann ich auch in einer Beziehung bzw. Gemeinschaft ein Individuum sein? All diesen Fragen widmet sich das Tanzprojekt.

Fotos: David Kory (Die Urbanisten e.V.)

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Gütersloh Performance

Gütersloh rollt der Kunst den roten Teppich aus

Ein roter Teppich führt zu den Objekten der Bildenden Kunst, die in der Gütersloher Stadtbesetzung musikalisch und tänzerisch „bespielt“ werden. Ohne Ankündigung werden die Bürger*innen zu zufälligem Publikum.

Künstlerische Intervention an Olafur Eliassons Dufttunnel markiert Start der neuen Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am roten Teppich“

Das gelbe Bergsteinkraut, die Maiglöckchen, Duftveilchen, Madonnenlilien, auch die Dichternarzissen oder das japanische Geißblatt sind in diesem Sommer früh verblüht – beinahe auch der Lavendel. Aber die Rosen…. Ihr Bukett lastet schwer auf der Wiese hinter dem Botanischen Garten, berauschend und verführerisch zugleich. Sie sind die Letzten, die Olafur Eliassons Dufttunnel in diesem Jahr zu Diensten sind. Der dänische Künstler (53), der inzwischen durch seine die physikalischen Gesetzmäßigkeiten, Wahrnehmung, Natur und Kunst thematisierenden Installationen weltweit bekannt geworden ist, schuf hier im Jahr 2001, im Nachklang zur Weltausstellung EXPO 2000, eine Arbeit, die dem in der Kunst vernachlässigten Geruchssinn gewidmet ist. Seitdem wächst das Kunstwerk in seinem öffentlichen Raum, oft unbeachtet, versunken im Blumenmeer des Stadtparks und oft nur von den Stadtgärtnern mit Aufmerksamkeit beschenkt.

Damit teilt es sein Schicksal mit vielen anderen an Straßen und auf Plätzen aufgebauten Skulpturen und Plastiken. Für den städtischen Fachbereich Kultur ist das schon vor längerer Zeit ein Anlass gewesen, die Auseinandersetzung mit Kunst im öffentlichen Raum anzustoßen. Ein Baustein ist das neue Projekt „Stadtbesetzung: Kunst am roten Teppich“, das mit Tanz und Saxofonmusik seine Premiere an Olafur Eliassons Dufttunnel erlebte. Rund drei Dutzend Spaziergänger ließen sich spontan vom extra ausgelegten roten Teppich zum Kunstwerk ziehen und kamen in den Genuss einer etwa 20-minütigen Performance rund um das drei Meter hohe Rondell: Die Bielefelder Ballerina Hsuan Cheng Floth verwandelte sich dabei in einen kanariengelben Schmetterling, der den Dufttunnel zu den Klängen der „Improvisationen Nr. 2 und 3“ des Japaners Ryo Noda sowie der französischen Komponistin Jeanine Rueff (Auszug aus „Chanson et Passepied“) durchschwebt – am Sopransaxophon: Thorsten Floth – und sich dem lockenden Duft der Rosen folgend vom Hauch des Windes tragen lässt.

Die zufälligen Zuschauer zeigten sich nach diesem Erlebnis „schöner Kunst“ für alle Sinne berührt und dankbar – in einer Zeit, in denen es coronabedingt an den sonst in Gütersloh so vielfältigen Kulturveranstaltungen mangelt. Zufällige Zuschauer waren sie deshalb, weil der Veranstaltungsort im Vorfeld nicht angekündigt worden war. Die „Kunst am roten Teppich“ soll überraschen und außerdem selbstverständlicher Teil des Alltags sein. „Die Premiere unseres neuen Projekts hat sehr gut geklappt“, resümiert Projektkoordinatorin Daniela Daus vom Fachbereich Kultur. „Die musikalisch-tänzerische Intervention war ein Hingucker und Hinhörer und hat dem Dufttunnel von Olafur Eliasson neue Aufmerksamkeit gebracht.“ Als Kooperationspartner waren der Förderkreis Stadtpark-Botanischer Garten sowie das Stadtmuseum mit an Bord – im Stadtmuseum ist aktuell die Ausstellung „Betreten erbeten! 111 Jahre Stadtpark Gütersloh“ zu sehen, für die beide Partner warben. Kulturfachbereichsleiterin Lena Jeckel freut sich schon auf die nächste Aktion am 5. September: „Der rote Teppich ist ein schönes Projekt, um Kunst im öffentlichen Raum sichtbar zu machen und darüber ins Gespräch zu kommen.“

Verbunden damit ist ein Wettbewerb, bei dem Schülerinnen und Schüler Preise gewinnen können. Die Quizfragen werden vom Fachbereich Kultur in diesen Tagen an Schulen, Kunstlehrende und andere Akteure in der kulturellen Bildung verschickt. Das Quiz ist mithilfe der Filmdokumentation zu lösen.


Reihe „Kunst am roten Teppich“ gastiert mit ihrer zweiten Aktion an der Kirchstraße

 

Willem Schulz am Cello, sein Enkel Leon Raum am Schlagwerk und seine Tochter Pia Raum singend – die musikalische Familien-Combo Schulz/Raum unterhält am Alten Kirchplatz rund 30 Zuschauer zwischen Werner Pokornys Stahlplastik „Turm“ und Axel Anklams Skulptur „Honey Spoon“ auf höchstem Niveau. Nicht etwa nach Noten wird gespielt, sondern an Ort und Stelle improvisiert. Und trotzdem entsteht ein Spannungsbogen, ein Rhythmus, eine musikalische Geschichte. Zunächst bespielt das Trio an diesem Samstagabend bei der zweiten Veranstaltung der städtischen Kultur-Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am roten Teppich“ den rund 600 Kilogramm schweren, rötlich beleuchteten „Turm“ des zeitgenössischen deutschen Künstlers Werner Pokorny. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Schulz setzt sein Cello quer am Kunstwerk auf, Pia Baum besingt den sandgestrahlten Cortenstahl dramatisch, Leon Raum bringt ihn mit den Trommelstöcken zum Klingen. Dann der Gang über die Kirchstraße, hin zu Axel Anklams „Honey Spoon“ – und selbst der Weg wird zum Schauspiel: Willem Schulz dreht sich wie ein Wirbelwind mit seinem Cello auf der Straße, Autos halten, Insassen filmen das Geschehen.

Am „Honey Spoon“ ist das Licht fast golden und macht das Kunstwerk zum unübersehbaren Blickfang. Im Jahr 2009 vom Künstler geschaffen, war es zunächst auf einer Ausstellung in Japan, bevor es im Jahr 2014 vom Kunstverein für den Kreis Gütersloh im Rahmen einer Ausstellung präsentiert wurde. Dauerhaft in Gütersloh bleiben konnte der „Honiglöffel“ durch einen Privatkauf.
Nach ähnlichem Prinzip konnte auch die Stahlplastik „Turm“ gesichert und präsentiert werden.

„Bürgerschaftliches Engagement ist die Grundlage, die uns diese außergewöhnliche Kunst in der Innenstadt beschert hat“, betont Daniela Daus. Die Kulturwissenschaftlerin koordiniert beim städtischen Fachbereich Kultur die neue Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am Roten Teppich“.
Als Mitveranstalter und Kooperationspartner freut sich Reiner Kuhn über die gelungene Aktion: „Bedeutsam ist es für uns als Verein insofern, als dass die Arbeiten, die wir hier […] in den öffentlichen Raum stellen konnten, mit solchen Aktionen einfach stärker in die Wahrnehmung des Publikums geraten und nicht einfach als Stadtmöblierung am Rande wahrgenommen werden.“

Einige Zuschauer*innen der im Vorfeld nur pauschal für den Stadtkern angekündigten Veranstaltung hatten sich am Samstagabend extra auf die Suche gemacht und freuten sich, als sie den roten Teppich erblickten, der zum Veerhoffhaus und zur musikalischen Performance führte. Zu ihnen gesellten sich neugierige Passanten. Nach rund 30 Minuten Auftritt freuten sich Willem Schulz, Pia Baum, Leon Baum und die Veranstalter über langanhaltenden Applaus.

Ziel der Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am roten Teppich“ ist es, Kunst und Kultur im öffentlichen Raum Güterslohs in den Blickpunkt zu rücken.
Dazu werden Objekte der bildenden Kunst in kurzen Aktionen „bespielt“. Und: Sie werden ganz besonders in Szene gesetzt – durch einen unübersehbaren roten Teppich, der Neugier wecken soll und zu ihnen hinführt. Ermöglicht wird das Projekt vom Kultursekretariat NRW Gütersloh und dessen NRW-weite Reihe „Stadtbesetzung“, die durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft gefördert wird.

Fotos: Matheus Fernandes

 

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Gütersloh Gaming

Spielend durch den Gütersloher Stadtraum

Ein Spiel, extra für die Stadtbesetzung in Gütersloh entwickelt: Urban.Art.Bingo.Gütersloh ermöglicht es, Kunstwerke, Streetart und Baukultur in Gütersloh mit neuen Augen zu sehen.

Urban.Art.Bingo.Gütersloh ist ein Urban Game, das im Rahmen der Stadtbesetzung 2019 von den Spiele-Entwicklern Daniel Parlow und David Kory entwickelt wurde. Das Spiel soll auf die bereits bestehenden Kunstwerke im öffentlichen Raum, Baukultur und StreetArt hinweisen und sie spielerisch hervorheben und zu einem bewussten Teil der Alltagskultur werden lassen. Jugendliche und Erwachsene können dieses Spiel im Stadtraum von Gütersloh spielen. Mit Bewegung und Action, Neugier und Entdeckung, Spaß und Spannung werden viele verschiedene Aufgaben im Stadtraum gelöst. Durch spielerisches Raumerkunden in gegeneinander antretenden Teams können die Kunstwerke, StreetArt und Baukultur in Gütersloh mit wachen Augen aktiv (neu) entdeckt werden.

Fotos: Daniel Parlow (Die Urbanisten e.V.), David Kory (Die Urbanisten e.V.), Inga Michaelis

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Gütersloh Bildhauerei Musik Performance Tanz

Tanz, Musik und Bildhauerei treten in Dialog

Künstler verschiedener Sparten wollen den Gütersloher Raum beleben – körperlich durch den Tanz, materiell durch Bildhauerei und klanglich durch die Musik.

Das interdisziplinäre Kunstprojekt „3Raum“ basiert auf den drei Kunstsparten Tanz, Musik und Bildhauerei. Diese treten in sensiblen Dialog, um mit ihren spezifischen Stärken sowie Vorzügen die Einschränkungen und Nachteile der jeweils anderen zu ergänzen, nicht nur, denn sie konfrontieren,  messen und widersprechen sich auch, um sich möglicherweise sogar aus eigenen Gewohnheitsmustern befreien zu können. Es fliegen Späne um neuer Formen Willen. Improvisationen in Rhythmen und Melodien schaffen Klangraum oder zeigen sich empfänglich für Gesang, der innerlich schon ist. Und das bewegte Leben bahnt sich – mal aktiv und dynamisch, mal passiv und verhalten und  mutig, ja, auch achtsam – seine  Wege durch den Tanz.

„3Raum“ ist ein Freiraum, der sich auf drei Ebenen manifestiert: Stofflich-materiell durch den Artefakt, klanglich durch die Musik und lebendig körperlich durch den Tanz. Interaktion zur Verwirklichung von jenem Freiraum ist im Kunstprojekt der beschriebenen Performance „3Raum“ alles. Dies auch, um Leerraum – oft sind in Gütersloh die Straßen und Plätze schon kurz nach Geschäftsschluss wie leergefegt – mit neuer Dynamik, Lebendigkeit und Kreativität zu erfüllen. Ein Motto für alle Beteiligten möchte lauten: Hinschauen. Zuhören. Berührt sein. Auch dies wird und ist „3Raum“.

© Johannes Zoller

Fotos: Inga Michaelis

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