Gütersloh Performance

Gütersloh rollt der Kunst den roten Teppich aus

Artenschutz und die Macht der Natur am Roten Teppich

Die Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am Roten Teppich“ geht in das zweite Jahr.

Der alte Festsaal auf dem LWL-Gelände in Gütersloh wurde in der vergangenen Woche zum Drehort einer besonderen Inszenierung: wilde, vom Artenschwund betroffene Tiere, ein Gebäude, an dem der Zahn der Zeit und der Natur nagt und ein leuchtend roter Teppich. Das sind besondere Zutaten für die diesjährig erste Ausgabe der „Stadtbesetzung: Kunst am Roten Teppich“ des Fachbereichs Kultur der Stadt Gütersloh, die maßgeblich von Tänzerinnen und Tänzern der Gütersloher Einrichtung „Sport & Ballett Neumann“ gestaltet wurde. Choreografin Lilli Neumann von der Tanzschule Sport und Ballett Neumann: „Wir freuen uns, Auszüge unseres neusten Tanzprojekts ‚CHANCE‘ an den Roten Teppich zu bringen. ‚CHANCE‘ befasst sich mit der Thematik Arten- und Naturschutz.“ Das Ergebnis der ersten Projekteinheit – aus Gründen der Planbarkeit zunächst noch ohne Publikum umgesetzt – ist ab sofort online zu sehen.

Jeweils im Juni, Juli und im August rollt der Gütersloher Fachbereich Kultur im zweiten Jahr den roten Teppich aus, um Kunst und Kultur in und aus der Stadt zu präsentieren. Es sind Aktionen geplant, die den digitalen und analogen öffentlichen Raum bespielen, in performativer Gegenüberstellung der Themen Natur versus Mensch-Gemachtes. Denn die diesjährige „Stadtbesetzung“ hat das Motto „UMDENKEN. Klimawandel ↔ Kulturwandel“. Und so hat es sich der Fachbereich Kultur mit der „Roten Teppich“-Konzeption zum Ziel gemacht, die Wahrnehmung, Auseinandersetzung und Wertschätzung von und mit Kunst und Kultur im öffentlichen Raum zu fördern und gleichzeitig mit dem Thema des Klimawandels in Verbindung zu bringen. Dazu gehört auch in diesem Jahr wieder die Ausrichtung eines themenbezogenen Schüler-Quiz, das nach der Projekteinheit im August veröffentlicht wird. „Der Fachbereich Kultur freut sich, das Projekt ‚Kunst am Roten Teppich‘ mit vielen lokalen Akteuren und Akteurinnen und im Rahmen der landesweiten ‚Stadtbesetzung‘ weiterentwickeln zu dürfen“, freut sich die Projektkoordinatorin Daniela Daus vom Fachbereich Kultur. Als Kooperationspartner unterstützen die Aktion die Gütersloh Marketing GmbH und der Verein zur Förderung plastischer Kunst in Stadt und Kreis Gütersloh. Fotografisch und filmisch wurde das Projekt begleitet durch das Kreativnetzwerk Blitzgarten um den Gütersloher Fotografen Matheus Fernandes. Die Förderreihe „Stadtbesetzung“ des Kultursekretariats NRW Gütersloh wird mit Mitteln des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW realisiert.


Fabelwesen originell bespielt und gesäubert

Rundum fabelhaft war die Putzperformance der Tanztruppe um die Choreografin Lilli Neumann von Sport & Ballett Neumann an den Billinger Skulpturen auf dem Fabelpfad entlang der Dalke, musikalisch gestaltet vom „Session Sax Duo“. Fantasievolle Tanzeinlagen am Boden begleiteten die Reinigungsaktion in der Höhe an den stählernen Kunstwerken und lockten den einen oder anderen überraschten Besucher des Stadtparks in der vergangenen Woche zum Verweilen an. Bei der zweiten Ausgabe der diesjährigen „Stadtbesetzung: Kunst am Roten Teppich“ des Fachbereichs Kultur der Stadt Gütersloh drehte sich alles um den Wandel von fantasievoller Kunst. Jeweils im Juni, Juli und August rollt der Fachbereich im zweiten Jahr den roten Teppich aus, um Kunst und Kultur in und aus der Stadt zu präsentieren.

Um die durch Algen und Umweltschmutz „erblindeten“ farbigen Skulpturen am Billinger Pfad zu reinigen, waren mitunter akrobatischen Klettereien des einzigen männlichen Akteurs Reza Jaxon der Tanzgruppe notwendig. Gemeinsam mit dem Fachbereich Kultur hat Reiner Kuhn vom Verein zur Förderung plastischer Kunst in Stadt und Kreis Gütersloh die Entwicklung maßgeblich mitentwickelt und kommentiert: „Schön, dass sie wieder leuchten und glänzen und im Kontrast zur rostigen Patina des Corten-Stahls ihre ursprüngliche Wirkung zurückgewonnen haben. Es reicht nicht, Kunst in den Park zu stellen. Sie muss auch gepflegt werden, genauso wie das Grün drum herum.“ Intention dieser Roten Teppich-Einheit ist die Präsentation der Arbeiten von Manfred Billinger im Stadtpark als lohnendes Ziel für Bürgerinnen und Bürger und Touristinnen und Touristen gleichermaßen. Zugleich wird das Thema der nicht zuletzt durch den Klimawandel intensivierten Natureinwirkung auf Billingers Werke beleuchtet. Daniela Daus, Projektkoordinatorin bei der Stadt Gütersloh, berichtet: „Am ersten Juli hat der Rat der Stadt Gütersloh das vom Fachbereich Kultur vorgelegte Konzept für ‚Kunst im öffentlichen Raum und Kunst und Bauprojekt‘ beschlossen. Mit diesem Beschluss können wir ab 2022 unsere Kunstwerke umfassender pflegen als bisher und zugleich die thematische Arbeit ausweiten.“ Und fügt schmunzelnd hinzu: „Wir bedanken uns bei Sport & Ballett Neumann, dass sie mit ihrem Auftritt schon mal in diesem Sommer mit dem Reinigen der Fabeltiere begonnen haben.“ Das filmische Ergebnis der Aktion steht ab sofort online auf dem Kulturportal Gütersloh unter www.kulturportal-guetersloh.de zur Verfügung, erstellt vom Kreativnetzwerk Blitzgarten um Matheus Fernandes.

Ermöglicht wird das Projekt des städtischen Fachbereichs Kultur vom Kultursekretariat NRW Gütersloh und dessen NRW-weiten Reihe „Stadtbesetzung“, die durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft gefördert wird und in diesem Jahr den Schwerpunkt auf das Thema „UMDENKEN. Klimawandel ↔ Kulturwandel“ legt. Als Kooperationspartner unterstützen die Aktion die Gütersloh Marketing GmbH und der Verein zur Förderung plastischer Kunst in Stadt und Kreis Gütersloh sowie die Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis Gütersloh e.V. (GNU) und der Förderkreis Stadtpark-Botanischer Garten Gütersloh e.V. Zum Projekt gehört auch in diesem Jahr wieder die Ausrichtung eines themenbezogenen Schüler-Quiz, das nach der letzten Projekteinheit im August veröffentlicht wird.

Hintergrund: Der Fabelpfad entlang der Dalke

Bei dem „Fabelpfad“ handelt es sich um eine Galerie im Freien, die Exponate sind Skulpturen des Künstlers Manfred Billinger aus Hamm. Der Entstehungsgedanke war, Kunst ins Freie zu holen. Heraus aus den Häusern und Museen, hin zu den Menschen, die ihr in natürlicher Umgebung begegnen und sie dadurch mit ganz anderen Augen erfahren können. Alle Figuren stehen frei und sind im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“. Das robuste Material Stahl steht in spannungsreicher Korrespondenz mit der Fragilität und Leichtigkeit der Linien und Formen. Sie wiederum greifen die Natur der Umgebung auf, in der sie stehen: Blattwerk, Äste, Tiere und Pflanzen. So verbindet der Fabelpfad die Wegstrecke entlang der Dalke und markiert auf originelle Weise die Geschlossenheit dieses Grüngürtels in der Innenstadt. Der Künstler Manfred Billinger verstarb im Februar 2001 im Alter von nur 47 Jahren. Der Fabelpfad war eines seiner letzten größeren Projekte.


Aktionskunst mit Aqua, Acryl und Ausdruckstanz

„Die Figuren über Emotionen aufbauen“, so beschreibt Hsuan Cheng Floth ihren faszinierenden Ausdruckstanz. Ihr spontaner Dialog ganz ohne Worte mit dem Maler Tom Schulte „brauche viel Zeit“, offenbart die Künstlerin mit taiwanesischen Wurzeln, die über die volle Distanz von 45 Minuten mit bedachtsam fließenden Bewegungen Modell stand. Ihre Performance begann in den rot-orangen Strahlen der untergehenden Abendsonne, als sie im blauen Gewand das nasse Spiel mit der wertvollen Ressource Wasser tänzerisch entwickelte.

Hsuan Cheng Floth, die inzwischen ihre Position vor der Leinwand mit dem Standpunkt hinter dem von hinten angestrahlten weißen Gewebe eingetauscht hat, offeriert nun dem ausführenden Künstler figürliche Schattenrisse, die dieser umgehend in seine agilen Ausführungen hineinkopiert. Farbliche Akzente setzt Schulte mit roten und blauen Acrylfarben und Kreiden, die er mit rapidem Pinselstrich oder feuchtem Schwamm aufträgt und die Silhouette der Tänzerin vielfältig in Szene setzt.

Der Rote Teppich für Kunst im öffentlichen Raum wurde im August bereits das fünfte Mal ausgerollt. Das Motto: „UMDENKEN. Klimawandel <-> Kulturwandel“. Der Hans-Werner-Henze-Platz mit seinem erleuchteten Brunnen war Schauplatz der Performance „Wassermusik“ rund um die Szenerie und die wichtige Ressource.

Beim Quiz haben wir diesmal eine Schätzfrage für Euch: „Wie viel Liter Wasser laufen durch die Brunnenanlage vor dem Theater Gütersloh?“ Wir freuen uns über Eure Einsendungen! Unter den 10 Antworten, die dem richtigen Ergebnis am nächsten kommen, verlosen wir ein schönes Gütersloh-Geschenkpaket der gtm.

Quiz-Antworten gehen an: daniela.daus@guetersloh.de
Einsendeschluss: Montag, 13.09.2021

Weitere Informationen zu Stadtbesetzung 2021 in Gütersloh gibt es hier.

Fotos: Matheus Fernandes, Stadtbesetzung 2021 in Gütersloh

Termine

  • Derzeit keine Termine
Gütersloh Malerei Tanz

Pepe Peps verarbeitet die Erfahrungen junger Menschen aus dem Corona-Lockdown zu einem Mural

2020 – das Jahr des Coronavirus. Was macht die Pandemie mit uns? Schüler*innen und Künstler*innen erschaffen gemeinsam ein Mural, das bleibt.

Die im Rahmen der Stadtbesetzung entstandene Arbeit „lockdown – views of pandemia“ zeigt die verschiedenen negativen wie positiven Blickwinkel in Zeiten der Pandemie und konkret des CoVid-19 Lockdown. Es verarbeitet die Eindrücke und Gedanken einer Gruppe von Schüler*innen des städtischen Gymnasiums Gütersloh. Diese sind im Rahmen eines digitalen Künstler-Workshops entstanden und werden von Pepe Peps zu einem Mural transformiert. Ohne Zweifel wird die anhaltende Pandemie die Geschichte für das Jahr 2020 prägen. Das Mural wird bleiben, als Zeitzeugnis einer weltweiten Bedrohung und Blaupause unseres gelebten Alltags.

Zur ersten Präsentation des Murals soll nun auf Grund der aktuellen Situation statt der geplanten Tanzperfomance ein Video aufgenommen werden. Darin beschäftigen sich die Tänzerinnen einerseits mit der Kraft von Beziehung, in dem sie subtile Verschiebungen der gegebenen Situation einbauen, sowie die Sprache des Körpers in den Fokus rücken. Gleichzeitig untersuchen sie, inwieweit das Kollektiv genauso sichtbar und stark sein kann wie jedes Individuum. Es ist eine Annäherung an das Format der digitalen Übertragung. Schon in der Herangehensweise haben sie immer im Fokus gehabt, dass es keine Live-Performance ist, sondern eine Arbeit, die von Anfang an speziell auf dieses Format ausgerichtet werden soll.

„Wir fragten uns immer wieder, wie unsere Relation zueinander ist. Da gibt es einen Raum, da ist eine Installation, Menschen, Bewegung, Geräusche und gleichzeitig auferlegte Regeln, an die man sich halten muss“, sagt Josephine Kalies über die Performance. In all dem Chaos, wodurch definiert sich die Beziehung zueinander? Und wie können wir diese Beziehung auf einem zweidimensionalen Bildschirm sichtbar machen? Wie kann ich auch in einer Beziehung bzw. Gemeinschaft ein Individuum sein? All diesen Fragen widmet sich das Tanzprojekt.

Fotos: David Kory (Die Urbanisten e.V.), Tatjana Wanner

Termine

  • Derzeit keine Termine
Gütersloh Performance

Gütersloh rollt der Kunst den roten Teppich aus

Ein roter Teppich führt zu den Objekten der Bildenden Kunst, die in der Gütersloher Stadtbesetzung musikalisch und tänzerisch „bespielt“ werden. Ohne Ankündigung werden die Bürger*innen zu zufälligem Publikum.

Künstlerische Intervention an Olafur Eliassons Dufttunnel markiert Start der neuen Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am roten Teppich“

Das gelbe Bergsteinkraut, die Maiglöckchen, Duftveilchen, Madonnenlilien, auch die Dichternarzissen oder das japanische Geißblatt sind in diesem Sommer früh verblüht – beinahe auch der Lavendel. Aber die Rosen…. Ihr Bukett lastet schwer auf der Wiese hinter dem Botanischen Garten, berauschend und verführerisch zugleich. Sie sind die Letzten, die Olafur Eliassons Dufttunnel in diesem Jahr zu Diensten sind. Der dänische Künstler (53), der inzwischen durch seine die physikalischen Gesetzmäßigkeiten, Wahrnehmung, Natur und Kunst thematisierenden Installationen weltweit bekannt geworden ist, schuf hier im Jahr 2001, im Nachklang zur Weltausstellung EXPO 2000, eine Arbeit, die dem in der Kunst vernachlässigten Geruchssinn gewidmet ist. Seitdem wächst das Kunstwerk in seinem öffentlichen Raum, oft unbeachtet, versunken im Blumenmeer des Stadtparks und oft nur von den Stadtgärtnern mit Aufmerksamkeit beschenkt.

Damit teilt es sein Schicksal mit vielen anderen an Straßen und auf Plätzen aufgebauten Skulpturen und Plastiken. Für den städtischen Fachbereich Kultur ist das schon vor längerer Zeit ein Anlass gewesen, die Auseinandersetzung mit Kunst im öffentlichen Raum anzustoßen. Ein Baustein ist das neue Projekt „Stadtbesetzung: Kunst am roten Teppich“, das mit Tanz und Saxofonmusik seine Premiere an Olafur Eliassons Dufttunnel erlebte. Rund drei Dutzend Spaziergänger ließen sich spontan vom extra ausgelegten roten Teppich zum Kunstwerk ziehen und kamen in den Genuss einer etwa 20-minütigen Performance rund um das drei Meter hohe Rondell: Die Bielefelder Ballerina Hsuan Cheng Floth verwandelte sich dabei in einen kanariengelben Schmetterling, der den Dufttunnel zu den Klängen der „Improvisationen Nr. 2 und 3“ des Japaners Ryo Noda sowie der französischen Komponistin Jeanine Rueff (Auszug aus „Chanson et Passepied“) durchschwebt – am Sopransaxophon: Thorsten Floth – und sich dem lockenden Duft der Rosen folgend vom Hauch des Windes tragen lässt.

Die zufälligen Zuschauer zeigten sich nach diesem Erlebnis „schöner Kunst“ für alle Sinne berührt und dankbar – in einer Zeit, in denen es coronabedingt an den sonst in Gütersloh so vielfältigen Kulturveranstaltungen mangelt. Zufällige Zuschauer waren sie deshalb, weil der Veranstaltungsort im Vorfeld nicht angekündigt worden war. Die „Kunst am roten Teppich“ soll überraschen und außerdem selbstverständlicher Teil des Alltags sein. „Die Premiere unseres neuen Projekts hat sehr gut geklappt“, resümiert Projektkoordinatorin Daniela Daus vom Fachbereich Kultur. „Die musikalisch-tänzerische Intervention war ein Hingucker und Hinhörer und hat dem Dufttunnel von Olafur Eliasson neue Aufmerksamkeit gebracht.“ Als Kooperationspartner waren der Förderkreis Stadtpark-Botanischer Garten sowie das Stadtmuseum mit an Bord – im Stadtmuseum ist aktuell die Ausstellung „Betreten erbeten! 111 Jahre Stadtpark Gütersloh“ zu sehen, für die beide Partner warben. Kulturfachbereichsleiterin Lena Jeckel freut sich schon auf die nächste Aktion am 5. September: „Der rote Teppich ist ein schönes Projekt, um Kunst im öffentlichen Raum sichtbar zu machen und darüber ins Gespräch zu kommen.“

Verbunden damit ist ein Wettbewerb, bei dem Schülerinnen und Schüler Preise gewinnen können. Die Quizfragen werden vom Fachbereich Kultur in diesen Tagen an Schulen, Kunstlehrende und andere Akteure in der kulturellen Bildung verschickt. Das Quiz ist mithilfe der Filmdokumentation zu lösen.


Reihe „Kunst am roten Teppich“ gastiert mit ihrer zweiten Aktion an der Kirchstraße

 

Willem Schulz am Cello, sein Enkel Leon Raum am Schlagwerk und seine Tochter Pia Raum singend – die musikalische Familien-Combo Schulz/Raum unterhält am Alten Kirchplatz rund 30 Zuschauer zwischen Werner Pokornys Stahlplastik „Turm“ und Axel Anklams Skulptur „Honey Spoon“ auf höchstem Niveau. Nicht etwa nach Noten wird gespielt, sondern an Ort und Stelle improvisiert. Und trotzdem entsteht ein Spannungsbogen, ein Rhythmus, eine musikalische Geschichte. Zunächst bespielt das Trio an diesem Samstagabend bei der zweiten Veranstaltung der städtischen Kultur-Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am roten Teppich“ den rund 600 Kilogramm schweren, rötlich beleuchteten „Turm“ des zeitgenössischen deutschen Künstlers Werner Pokorny. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Schulz setzt sein Cello quer am Kunstwerk auf, Pia Baum besingt den sandgestrahlten Cortenstahl dramatisch, Leon Raum bringt ihn mit den Trommelstöcken zum Klingen. Dann der Gang über die Kirchstraße, hin zu Axel Anklams „Honey Spoon“ – und selbst der Weg wird zum Schauspiel: Willem Schulz dreht sich wie ein Wirbelwind mit seinem Cello auf der Straße, Autos halten, Insassen filmen das Geschehen.

Am „Honey Spoon“ ist das Licht fast golden und macht das Kunstwerk zum unübersehbaren Blickfang. Im Jahr 2009 vom Künstler geschaffen, war es zunächst auf einer Ausstellung in Japan, bevor es im Jahr 2014 vom Kunstverein für den Kreis Gütersloh im Rahmen einer Ausstellung präsentiert wurde. Dauerhaft in Gütersloh bleiben konnte der „Honiglöffel“ durch einen Privatkauf.
Nach ähnlichem Prinzip konnte auch die Stahlplastik „Turm“ gesichert und präsentiert werden.

„Bürgerschaftliches Engagement ist die Grundlage, die uns diese außergewöhnliche Kunst in der Innenstadt beschert hat“, betont Daniela Daus. Die Kulturwissenschaftlerin koordiniert beim städtischen Fachbereich Kultur die neue Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am Roten Teppich“.
Als Mitveranstalter und Kooperationspartner freut sich Reiner Kuhn über die gelungene Aktion: „Bedeutsam ist es für uns als Verein insofern, als dass die Arbeiten, die wir hier […] in den öffentlichen Raum stellen konnten, mit solchen Aktionen einfach stärker in die Wahrnehmung des Publikums geraten und nicht einfach als Stadtmöblierung am Rande wahrgenommen werden.“

Einige Zuschauer*innen der im Vorfeld nur pauschal für den Stadtkern angekündigten Veranstaltung hatten sich am Samstagabend extra auf die Suche gemacht und freuten sich, als sie den roten Teppich erblickten, der zum Veerhoffhaus und zur musikalischen Performance führte. Zu ihnen gesellten sich neugierige Passanten. Nach rund 30 Minuten Auftritt freuten sich Willem Schulz, Pia Baum, Leon Baum und die Veranstalter über langanhaltenden Applaus.

Ziel der Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am roten Teppich“ ist es, Kunst und Kultur im öffentlichen Raum Güterslohs in den Blickpunkt zu rücken.
Dazu werden Objekte der bildenden Kunst in kurzen Aktionen „bespielt“. Und: Sie werden ganz besonders in Szene gesetzt – durch einen unübersehbaren roten Teppich, der Neugier wecken soll und zu ihnen hinführt. Ermöglicht wird das Projekt vom Kultursekretariat NRW Gütersloh und dessen NRW-weite Reihe „Stadtbesetzung“, die durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft gefördert wird.

Fotos: Matheus Fernandes

 

Termine

Gütersloh Gaming

Spielend durch den Gütersloher Stadtraum

Ein Spiel, extra für die Stadtbesetzung in Gütersloh entwickelt: Urban.Art.Bingo.Gütersloh ermöglicht es, Kunstwerke, Streetart und Baukultur in Gütersloh mit neuen Augen zu sehen.

Urban.Art.Bingo.Gütersloh ist ein Urban Game, das im Rahmen der Stadtbesetzung 2019 von den Spiele-Entwicklern Daniel Parlow und David Kory entwickelt wurde. Das Spiel soll auf die bereits bestehenden Kunstwerke im öffentlichen Raum, Baukultur und StreetArt hinweisen und sie spielerisch hervorheben und zu einem bewussten Teil der Alltagskultur werden lassen. Jugendliche und Erwachsene können dieses Spiel im Stadtraum von Gütersloh spielen. Mit Bewegung und Action, Neugier und Entdeckung, Spaß und Spannung werden viele verschiedene Aufgaben im Stadtraum gelöst. Durch spielerisches Raumerkunden in gegeneinander antretenden Teams können die Kunstwerke, StreetArt und Baukultur in Gütersloh mit wachen Augen aktiv (neu) entdeckt werden.

Fotos: Daniel Parlow (Die Urbanisten e.V.), David Kory (Die Urbanisten e.V.), Inga Michaelis

Termine

Gütersloh Bildhauerei Musik Performance Tanz

Tanz, Musik und Bildhauerei treten in Dialog

Künstler verschiedener Sparten wollen den Gütersloher Raum beleben – körperlich durch den Tanz, materiell durch Bildhauerei und klanglich durch die Musik.

Das interdisziplinäre Kunstprojekt „3Raum“ basiert auf den drei Kunstsparten Tanz, Musik und Bildhauerei. Diese treten in sensiblen Dialog, um mit ihren spezifischen Stärken sowie Vorzügen die Einschränkungen und Nachteile der jeweils anderen zu ergänzen, nicht nur, denn sie konfrontieren,  messen und widersprechen sich auch, um sich möglicherweise sogar aus eigenen Gewohnheitsmustern befreien zu können. Es fliegen Späne um neuer Formen Willen. Improvisationen in Rhythmen und Melodien schaffen Klangraum oder zeigen sich empfänglich für Gesang, der innerlich schon ist. Und das bewegte Leben bahnt sich – mal aktiv und dynamisch, mal passiv und verhalten und  mutig, ja, auch achtsam – seine  Wege durch den Tanz.

„3Raum“ ist ein Freiraum, der sich auf drei Ebenen manifestiert: Stofflich-materiell durch den Artefakt, klanglich durch die Musik und lebendig körperlich durch den Tanz. Interaktion zur Verwirklichung von jenem Freiraum ist im Kunstprojekt der beschriebenen Performance „3Raum“ alles. Dies auch, um Leerraum – oft sind in Gütersloh die Straßen und Plätze schon kurz nach Geschäftsschluss wie leergefegt – mit neuer Dynamik, Lebendigkeit und Kreativität zu erfüllen. Ein Motto für alle Beteiligten möchte lauten: Hinschauen. Zuhören. Berührt sein. Auch dies wird und ist „3Raum“.

© Johannes Zoller

Fotos: Inga Michaelis

Termine