„Der Klang der unsichtbaren Viers“ in Viersen

Historische Schwarz-Weiß-Aufnahme einer Straßenkreuzung mit mehrstöckigen Gebäuden aus der Gründerzeit. Auf dem Kopfsteinpflaster fährt ein von Pferden gezogener Wagen mit Fässern, mehrere Menschen überqueren die Straße zu Fuß. Im Vordergrund verläuft eine kleine Brücke oder Überführung mit Geländer. Die Szene vermittelt den Eindruck eines städtischen Alltags Anfang des 20. Jahrhunderts.

In der Viersener Innenstadt erweckt Klangkünstlerin Katja Kölle den Dorfer Bach hörbar zum Leben, der einst als „Viers“ der ersten Siedlung an seinen Ufern den Namen gab. Seit Jahrzehnten verläuft er verrohrt unter der Straße.

Der wasserreiche Bach entsprang in über 100 Quellen im Sumpfgebiet der heute noch erhaltenen Kaisermühle und bildete den Mühlenweiher. Die vereinten Quellgewässer liefen offen die Kaiser- und Dülkener Straße hinunter und in den Dorfer Weiher, an dem die Dorfer Bleiche lag. Die Viers unterquerte die Hauptstraße unter einer der hölzernen Brücken, trieb an der Goetersstraße bis 1908 die Goetersmühle an und speiste ein öffentliches Schwimmbad in unmittelbarer Nähe der heutigen Städtischen Galerie im Park.

Im Stadtgebiet ist der Bach heute kanalisiert. Am Stadtrand tritt er aber wieder als offener Graben zu Tage.

Im Sommer leben nun am alten Bachverlauf von der Quelle bis in die Innenstadt die Fließgeräusche, das Bachplätschern, das Klappern des Mühlrades und der Lärm der Badenden wieder auf. Sie irritieren, wecken Erinnerungen und machen neugierig auf die Vergangenheit. Zugleich weisen sie auf das Wasser hin, das bis heute verborgen unter dem Asphalt fließt. Zu hören sind die Klänge täglich von 11.00 bis 13.00 Uhr und von 15.00 bis 17.00 Uhr.

An den Klanginstallationen informieren Schilder über das Projekt und machen mittels QR-Code den Inhalt eines Flyers abrufbar, der mit Text und historischen Bildern den Hintergrund erklärt.

Foto: Verein für Heimatpflege Viersen

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Katja Kölle

Die 1955 in Hamburg geborene Klangkünstlerin Katja Kölle komponiert und entwickelt seit 1979 Notationen, Farb-Ton-Projekte und Klangobjekte. > mehr

„Pikto-Parkplatz“ in Viersen

Luftaufnahme eines Parkplatzes mit mehreren markierten Stellplätzen, auf denen anstelle von Autos Piktogramme verschiedener menschlicher Figuren aufgemalt sind. Um die Markierungen herum liegen Schablonen und Malutensilien, einige Personen sind gerade dabei, weitere Figuren aufzumalen. Die Szene spielt auf einem gepflasterten Parkplatz mit zwei Laternen und angrenzender Hecke.

Utopische Piktogramm-Figuren der Künstlerin Käthe Wenzel überwuchern zwei Parkplätze in der Viersener Innenstadt

Käthe Wenzel unterwandert mit ihren Werken oft Gewohntes. Gern dringt sie dabei in städtische Systeme wie Beschilderungen und Werbeflächen ein.
Für die „Stadtbesetzung“ 2025 überwuchern in Viersen ihre utopischen Piktogramm-Figuren zwei Parkplätze in der Innenstadt. Dabei entwirft die Berliner Künstlerin viele Möglichkeiten und Zukunftsaussichten: Dürfen bald nur noch freundliche Hybriden diese Parkbucht nutzen? Wird auf dem Skateboard eine Gasmaske nötig? Bewaffnen sich Rollstuhlfahrer*innen?

Luftaufnahme eines Parkplatzes an einer von Bäumen gesäumten Straße. Auf jedem Stellplatz ist eine unterschiedliche menschliche Figur als Piktogramm aufgemalt. Drei Personen stehen auf dem unteren Teil des Parkplatzes, daneben ein Hund. Die Szene spielt bei sonnigem Wetter und zeigt einen kreativ gestalteten öffentlichen Raum.
Pikto Parkplatz Viersen

Allgegenwärtige Schilder im öffentlichen Raum erteilen mithilfe von Stereotypen Anweisungen. Käthe Wenzels Piktogramme, Tiermenschen und Kettensägenwesen, ermöglichen die Erweiterung von gedanklich verengten Räumen. Gleichzeitig flattern sie unübersehbar im Riesenformat auf Flaggen am Fahnenmast.
Die im Stil der Straßenschild-Piktogramme entwickelten Gestalten spielen humorvoll mit der scheinbaren Eindeutigkeit der Zeichen. Sie bieten zugleich Raum für Visionen und beleben die Vorstellung. Das ebenso ungewohnte wie permanent anmutende Symbol irritiert und regt zur Kommunikation vor Ort an. Gelegenheit dazu besteht bei der Parkplatz-Party am 23. August am Stadthaus.

Nahaufnahme eines Tisches mit bunten Autokeksen auf einem Teller, einer Schale mit Gummibärchen und einem kleinen Heft mit dem Titel „Pikto-Parkplatz“ von Käthe Wenzel. Rund um das Heft sind Gummibärchen in Form von Fahrzeugen wie Fahrrädern, Bussen und Autos verteilt. Die Szene wirkt verspielt und farbenfroh.

Foto: Stadt Viersen – Ulf Kleczka

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Peter Trabner ist Schauspieler und Performancekünstler aus Bückeburg, der zunächst auf Berliner Bühnen zu erleben war. Seit 2010 wirkt er darstellerisch in Spielfilmen mit und arbeitete für zahlreiche Fernsehproduktionen von ARD und ZDF. Besondere Bekanntheit erlangte er für seine Rolle im Tatort.

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„Michael S. aus B.“ in Viersen

Vom 3. – 5. Mai 2024 beherbergte die Skulpturensammlung Viersen einen ungewöhnlichen Gast. Herr Michael S. aus B. war mit seinem Wohnmobil angereist und beanspruchte einen Stellplatz mitten im Skulpturenpark.

Gebucht hatte er diesen Anfang Februar 2024, wie viele andere auch, über eine Reisemobilstellplatz-App, spezialisiert auf ungewöhnliche Orte in Deutschland.

Es handelte sich dabei um eine Betrugsmasche. Die Fake-App bot begehrte Stellplätze an Museen und Schlössern, in Nationalparks, Biosphärenreservaten und privaten Gartenanlagen an, die in Wirklichkeit nicht zu Urlaubszwecken an Privatleute zu vermieten waren. Michael S. wählte für seine Fake-Buchung den Park der Städtischen Galerie Viersen.

Die Galerie im Park sah sich leider gezwungen, diese illegale Kurzvermietung zuzulassen und dem uneinsichtigen Herrn S. für einige Tage seinen Stellplatz zu überlassen.

In den sozialen Medien und per Newsletter gab die Galerie im Park ihrem Bedauern Ausdruck über dieses Versehen und entschuldigte sich für etwaige Unannehmlichkeiten. Sie betonte, dass dem Besuch der Skulpturensammlung und der aktuellen Ausstellung nichts im Wege stehe und bat um gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme.

Herr S. reiste am Freitagmittag an und wählte einen Platz neben der Skulptur „Position im Schwerpunkt“ von Wolfgang Nestler, neben dem Verbindungsweg zwischen Stadthaus und Kreishaus. Bis zum Sonntagnachmittag kam es so zu zahlreichen Begegnungen und Kontakten: Sowohl die Spaziergänger und Hundehalter im Park als auch die Menschen am nahen Busbahnhof und die Museumsgäste der Galerie im Park wunderten sich über das ungewohnte Bild des Wohnmobils mit Vordach und Outdoorteppich. Viele kamen ins Gespräch mit Herrn S., beim Frühstück am Campingtisch, beim Grillen oder Bierchen.

Einige reagierten auch recht erbost auf den Wildcamper und sein Gefährt auf der grünen Wiese, so dass auch die Ordnungsbehörde und Polizeibeamt*innen nicht lange auf sich warten ließen.

Nachhaltigen Ärger gab es jedoch nicht, denn die Behörden waren vorab informiert, dass es sich in Wahrheit um eine Kunstaktion im Rahmen der Stadtbesetzung unter dem Motto „Ich & Du“ handelte. Schauspieler Peter Trabner füllte seine Rolle als Michael S. aus B. mit viel Temperament und wunderbarem Improvisationstalent perfekt aus und hielt sie konsequent durch, bis er am Sonntag den Teppich einrollte und sein Fahrzeug wieder startete.

Fotos: © Städt. Galerie im Park Viersen

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Peter Trabner

Peter Trabner ist Schauspieler und Performancekünstler aus Bückeburg, der zunächst auf Berliner Bühnen zu erleben war. Seit 2010 wirkt er darstellerisch in Spielfilmen mit und arbeitete für zahlreiche Fernsehproduktionen von ARD und ZDF. Besondere Bekanntheit erlangte er für seine Rolle im Tatort. > mehr

„Brennstoff“ in Viersen

Jan Philip Scheibe trägt die Fichte über seiner Schulter. Er steht auf einer Treppe. Die Treppe führt hoch zur Galerie im Park.

Weihnachten, Richtfest oder Hochzeit – diese und viele weitere Ideen kamen Passant*innen in der Viersener Innenstadt in den Sinn, als der Künstler Jan Philip Scheibe am 8. August eine tote Fichte durch die Straßen trug. Dass der Baum als Brennstoff für einen selbstgekochten Möhreneintopf dient, gehörte wohl nicht dazu.

Gewandet in einen Anzug begleitete der Künstler die eigenhändig im Viersener Waldgebiet Hoher Busch geschlagene Fichte auf seiner Schulter drei Kilometer lang auf ihrem letzten Weg durch die Stadt und weckte mit dieser ungewöhnlichen Wanderung die Neugier der Viersener. Auch bei dem Künstler hinterließ das tote Holz seine Spuren: Auf der Schulter, dort, wo der Stamm über eine Stunde lang ruhte, färbte sich der Anzug moosgrün.

Vor der Viersener Galerie im Park angekommen, zerschlug der Künstler den Baum zu Brennholz, mit dem er einen kleinen Ofen anfeuerte. Mit tatkräftiger Unterstützung des Galerie-Teams kochte Scheibe „Muurejubbel“, ein typisch niederrheinisches Gericht aus Möhren und Kartoffeln. Gemeinsam genossen Passant*innen und Mitarbeiter*innen aus dem Kreishaus den fertigen Eintopf, unterhielten sich über die Performance, den Wald, aber auch ihre Kindheitserinnerungen an den „Muurejubbel“.

Nicht nur das Gericht, sondern auch das Thema Waldsterben und Klimawandel konnte bei einem anschließenden Spaziergang durch die Städtische Galerie oder das Waldgebiet Hoher Busch „verdaut“ werden. Denn die Performance war Teil der Ausstellung und Veranstaltungsreihe „Brennstoff“, die vom 6. August bis zum 24. September in Viersen zu sehen ist und bei der durch Interventionen, Lesungen, Theaterstücke und Rundgänge der Zustand der Wälder thematisiert wird.

Bei einem Kunst-Rundweg im Wald, kuratiert durch Roger Rohrbach, stolpern Jogger*innen, Wanderer*innen und Spaziergänger*innen während des Waldbadens über insgesamt neun Außen-Installationen unterschiedlicher Künstler*innen, die sie nicht nur mit den Folgen des Klimawandels, sondern auch mit Kunst konfrontieren.

Darunter auch Scheibes ICH-Bunker: eine massive Lehmhütte aus vier Pfeilern und Dach, die sowohl das Gefühl von Geborgenheit vermittelt als auch die Betrachtung des Waldes ermöglicht. Durch die weiße Plastikbank in der Mitte der Installation lädt Schiebe nicht nur zu Verweilen und Nachdenken ein, sondern spielt auch mit dem Kontrast zum natürlichen Baustoff Lehm. Gegenüber, nicht weit entfernt vom Wegesrand, erstrahlt ein toter Ast dank goldenem Anstrich in neuem Glanz und lenkt den Blick auf das umliegende Totholz.

Ein umgefallener, kahler Baum im Wald.
© Stefan Schumacher

In der Städtischen Galerie geht die Ausstellung weiter: Neben Grafiken aus der Sammlung der Stadt Viersen und Arbeiten von unter anderem Rainer Fetting, Swaantje Güntzel und Jörg Kratz zeigen die Ergebnisse aus Workshops und Wettbewerben mit Teilnehmenden unterschiedlicher Generationen, dass der Klimawandel uns alle betrifft: Gemeinsam mit Garvin Dickhof haben Jugendliche aus Viersen einen Selfie-Raum mit Materialien aus dem Wald gebaut. Ein Workshop mit Senior*innen hielt Walderinnerungen fest, die gemeinsam mit Dagmar Reichel künstlerisch in Szene gesetzt wurden. Im Erdgeschoss der Galerie präsentieren die Viersener Erstklässler*innen ihre Kunstwerke zum Thema „Im Wald, da sind…“, mit denen sie sich für die Teilnahme bei den Kulturstrolchen für das Schuljahr 2023/2024 beworben haben.

Am 12. August ging es für Jan Philip Scheibe zurück in den Wald. Für 11 Stunden lebte der Künstler in einer Kinderspielhütte aus Kunststoff mitten im Viersener Hohen Busch und lud seine Gäste ein, sich mit ihm bei Kaffee und Kuchen über ihre Vorstellungen vom Wald und Erinnerungen an die Wälder ihrer Kindheit zu unterhalten.

Die Ausstellung „Brennstoff“ ist bis zum 24. September in Viersen zu sehen. Der Kunst-Rundweg ist frei zugänglich.

Öffnungszeiten Städtische Galerie:

Di, Mi, Fr, Sa 15-18 Uhr
Do 15-20 Uhr
So 11-18 Uhr

Weitere Informationen zum Projekt und zum Programm

Fotos: © Garvin Dickhof, Stefan Schumacher, Carolin Klenke

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