„Off the Trampelpfade – SpielRaum“ in Paderborn

Kinder springen auf Kästchen in denen Nummern stehen, welche auf den Boden aufgemalt sind.

Off the Trampelpfade lädt dazu ein, die Paderborner Innenstadt neu zu entdecken. Abseits der bekannten Einkaufswege werden wenig beachtete Straßen, Plätze und Zwischenräume durch künstlerische und spielerische Interventionen temporär belebt.

 

Der öffentliche Raum wird dabei als offener „SpielRaum“ verstanden – als ein Ort, den Bürger*innen aktiv mitgestalten können. Durch grafische Interventionen, temporäre Markierungen und spielerische Impulse entstehen neue Blickachsen, Bewegungsanreize und Begegnungsmöglichkeiten.

Das Projekt, bei dem es sich um eine Initiative des Citymanagement Paderborns handelt, wird gemeinsam mit dem künstlerischen Kollektiv SpielRaum umgesetzt, bestehend aus Simon Kurze und Gesa Janßen. SpielRaum arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Stadtentwicklung, Spiel- und Lerndesign sowie Beteiligung. Das Kollektiv untersucht, wie alltägliche Wege, Freiflächen und urbane Zwischenräume durch einfache gestalterische Eingriffe zu Orten des Spiels, der Bewegung und gemeinsamer Erfahrung werden können.

Zum Auftakt findet ein Workshop mit bis zu 20 Teilnehmenden statt. Angesprochen werden insbesondere Kinder und Jugendliche, ergänzt durch Senior*innen und weitere lokale Gruppen. Gemeinsam werden Ideen für Spiel-, Bewegungs- und Interaktionsmöglichkeiten im Stadtraum entwickelt. Dabei fließen die Perspektiven der Teilnehmenden auf die Innenstadt ein: Welche Orte werden gerne genutzt? Welche wirken langweilig, unsicher oder unsichtbar? Wo könnte man verweilen, spielen, sich begegnen oder Neues entdecken?

Die daraus entstehenden Interventionen laden zum Balancieren, Folgen, Springen, Drehen, Suchen oder Interagieren ein. Sie sollen vorhandene Qualitäten im Stadtraum sichtbar machen und neue Nutzungsmöglichkeiten anbieten. Passant*innen können die Elemente direkt ausprobieren, beobachten oder eigene Ideen einbringen – so entwickelt sich das Projekt im Austausch mit den Menschen vor Ort weiter.

Den Abschluss bildet ein öffentlicher Mini-Rundgang beziehungsweise Launch, bei dem die entstandenen Orte gemeinsam entdeckt werden. Teilnehmende, lokale Akteur*innen, interessierte Bürger*innen sowie Vertreter*innen aus Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit erhalten dabei die Möglichkeit, die Interventionen kennenzulernen und auszuprobieren.

Begleitend entsteht eine „Map & Stadtprotokoll“-Dokumentation, die Orte, Prozesse und Erfahrungen des Projekts festhält. Sie dient sowohl als Erinnerung an das temporäre Projekt als auch als Grundlage für weitere Überlegungen zur Aktivierung innerstädtischer Räume.

Foto: SpielRaum Kollektiv

 

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SpielRaum Kollektiv

Gesa und Simon beschäftigen sich im Bereich Spiel- und Lerndesign mit der Frage, wie öffentliche Räume als Orte für Spiel, Bewegung und gemeinschaftliche Erfahrung neu gedacht werden können. > mehr

„Permanent offene Hose“ in Paderborn

Nahaufnahme des Gesichts einer Frau mit heller Haut, blauen Augen und braunen Haaren mit Pony. Das Bild ist stark belichtet, sodass die Gesichtszüge und die Haut sehr hell erscheinen. Die Frau blickt leicht zur Seite, ihr Auge ist im Fokus des Bildes.

Die Performancekünstlerin Inga Krüger nutzt Orte als Inspirationsquellen und Requisiten als Ankerpunkte für ihre Wortkunst, mit der sie Zuhörende durch Zeit und Raum reisen lässt, um gemeinsam gefestigter in der Realität anzukommen.

In der Performance „Permanent offene Hose“ widmet sich Inga Krüger dem kürzesten Fluss Deutschlands. Wie der Fluss, so mäandert auch die Erzählweise der Künstlerin und erzeugt damit eine besondere Verbindung zu dem Publikum. Dieses kann sich nicht nur in ihrem Wortfluss treiben lassen, sondern wird aktiv auf der Gedankenreise mitgenommen, indem bewusste Ungereimtheiten und Wortspielereien eine regelrechte Antizipation vor der nächsten Wendung der Performance hervorrufen.
Sie spricht verstärkt, aber vor allem verstärkt sie, was an einem Ort spricht. Dafür positioniert sie sich vor der Stadtbibliothek, unmittelbar an der plätschernden Pader, mit Blick auf die Kaiserpfalz und den Dom. Ausgestattet mit einem Mikrofon nimmt Inga Krüger den Ort auf eine einmalige wortgewandte Weise ein und hinterfragt dabei das Verhältnis Mensch-Fluss. Voller Empathie mit dem kurzen Fluss, geht sie auf seine Geschichte, Verortung und Nutzung mit einer guten Mischung aus Wissen und vorteilhaftem Nicht-Wissen ein.
Inga Krüger betrachtet Sprache als Vehikel des Denkens und Begreifens der uns umgebenden Welt und interpretiert den performativen Sprechakt als Form der Stadtbesetzung. »Permanent offene Hose« ist eine performative Intervention an der Pader, die zu einem kurzweiligen und erfrischenden Blick auf das fließende Gewässer anregt.

Foto: Victoria Jung

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„Mobil für Hier und Jetzt“ in Paderborn

Das Mobil wird durch die Stadt entlang einer Mauer gezogen. Auf mehreren Rädern und einer Basis aus Holz türmen sich mehrere gelbe Körbe, außerdem ein kleines Regal, in dem der Teig geht, und ein Gasofen für das abschließende Backen. Das Mobil wird vorne gezogen und von hinten geschoben.

Drei Tage und drei Brote – dazwischen viele Schritte, Gespräche und Begegnungen. Mit Gasherd und kleinem Schilderwald an Bord war das MOBIL FÜR HIER UND JETZT wie ein Wiedergänger in der Innenstadt Paderborns unterwegs, hat Blicke auf sich gezogen und Nachfragen provoziert. Scheppernd, langsam, aber erstaunlich wendig hat sich das eigentümliche Gefährt durch den Stadtraum bewegt und dazu aufgefordert, für einen bewussten Moment aus der Hektik des Alltags auszusteigen.

Der Teig – nicht nur im Untertitel des Projekts, sondern auch ganz real mitgeführt – war wie ein Pate, der symbolisch das Diktat der schnellen Taktung hinterfragte. Schließlich brauchte die klebrige Masse viele Stunden, um sich bei langer Teigführung in ein schmackhaftes Sauerteigbrot zu verwandeln. Gut Ding will Weile haben. Unser Teig hatte Zeit. Ein gutes Erlebnis braucht jedoch keinen großen Aufwand. So hat sich das MOBIL FÜR HIER UND JETZT als dezidierter Kontrapunkt zur aufgeregten Eventkultur verstanden, indem es improvisiert und schlicht auftrat. Das Angebot war beschränkt, die Handlungen einfach: langsam Gehen, an einem Ort stehen, chorisch flüstern oder Brot essen.

Wie sehr es die Wahrnehmung verändert, wenn man sich der Öffentlichkeit aussetzt, haben die Menschen erlebt, die sich darauf eingelassen haben, mit einem Schild in der Hand eine Weile für das HIER und JETZT einzustehen. Sowohl das Anschauen der Umgebung als auch die Selbstwahrnehmung konnten sich verändern, fokussieren. Wie einen „Anker im Moment“ haben einige Mitmachende das Stehen mit Schild beschrieben, das sie im Handumdrehen zum Teil der Aktion werden ließ. Eine simple Handlung machte den öffentlichen Raum zur Bühne, die offen ließ, wer in welchem Moment Angeschaute*r und wer Betrachtende*r war. „Ich kenne mich in Paderborn sehr gut aus und habe diesen Ort doch ganz und gar anders wahrgenommen.“, so eine Teilnehmerin, die sich zum verweilenden Stehen mitten in der Stadt überwunden hatte. Drei Tage lang war das MOBIL in der Domstadt sichtbar. Wer sich Zeit ließ, konnte das HIER UND JETZT erleben, ergehen, hören und schmecken. Unser Teig war nicht nur ein stetiger Begleiter, sondern auch ein verlässlicher – trotz Geholper über Kopfsteinpflaster ließ er sich am Ende eines jeden Aktionstages zu einem knusprigen Brot backen.

Fotos: © Michael Austermeier

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„Ohne das Alte ist das Leben nicht das Neue“ in Paderborn

Eine grobe Skizze mit den drei Teilbereichen "Wäscherin", "Feuerwehrfrau" und "Müllerin"

Die Performance, die sich in zwei Stunden vom Quellgebiet entlang der Pader als Spaziergang entwickelt, ist eine Hommage an die Pader in drei Teilen. Die einzelnen Stationen des Parcours setzen sich mit Berufen auseinander, die in der Vergangenheit an der Pader ausgeübt wurden.

Die Berufe und ihr Handwerk haben sich verändert: Die Wäscherinnen waschen nicht mehr in der Pader, die Feuerwehr entnimmt kein Wasser mehr aus der Pader und die Wassermühlen bedienen keine Kornmühlen mehr.

Die international arbeitende Performancekünstlerin Nezaket Ekici (*1970) stellt die ursprünglichen Tätigkeiten des Waschens, Löschens und Mahlens in abstrahierter und szenischer Form dar und zeigt deren Abhängigkeit zur Pader auf. Immer steht dabei die grundlegende Bedeutung der Pader für die Entstehung des Lebens in Paderborn im Mittelpunkt. Die Pader und ihr Wasserreichtum war und ist Lebensbedingung für die Menschen in Paderborn und hat das Leben ermöglicht und strukturiert.

Nezaket Ekici sucht in ihren Aktionen nicht nur die Interaktion mit dem Publikum. In Paderborn haben sogar zwölf Helfer*innen die Gelegenheit, Teil der Performance zu werden.

Foto: © Nezaket Ekici
Video: © Städtische Museen und Galerien Paderborn

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„Querstadtein. Das Miteinander von Wildtieren und Menschen im städtischen Raum“ in Paderborn

Abstrackte Zeichnungen von Wurzeln und Ästen

Im Rahmen der Paderborner Stadtbesetzung fanden am 23. und 24. September 2022 zwei Veranstaltungen mit der bildenden Künstlerin Nicole Schuck statt.

Bei einem Erzählspaziergang kombinierte Schuck Vor-Ort-Beobachtungen und weitere Recherchen mit Imaginiertem. Auf diese Weise entstand ein lebendiges Porträt des Miteinanders von Wildtieren und Menschen, ohne Material zu verbrauchen. Die Aufmerksamkeit richtete sich auf die unscheinbaren und ungeordneten natürlichen Grünflächen. Dieses Stadtgrün bietet den wilden Stadttieren optimale Lebensbedingungen und sichert somit ihre Existenz und die Artenvielfalt. Sie wirken zudem ausgleichend auf Hitzewellen und Starkregen, sind die Flächen noch so überschaubar, was sich positiv auf das Wohlbefinden aller auswirkt.

Eine neue Perspektive auf das städtische Ökosystem wurde anschließend bei einem Zeichen-Workshop eingenommen. Teilnehmende erkundeten zeichnerisch das Wildtierleben der Umgebung von Schloss Neuhaus und sprachen über Werte der Tiere, ob kulturell, ökologisch oder persönlich.

Bei den Aktionen wurde der Frage nachgegangen, wie ein solidarisches Miteinander von Wildtier und Mensch jetzt und zukünftig gelebt werden kann. Was kann jede*r Einzelne tun?

Weitere Informationen zum Workshop entnehmen Sie dem Flyer.

Titelbild: © Nicole Schuck | Bildergalerie: © Stadt Paderborn, Dietmar Walther

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Nicole Schuck

Geboren in Herford (Westfalen) lebt die Künstlerin heute in Berlin. Sie studierte Visuelle Kommunikation mit dem Schwerpunkt Zeichnung an der Fachhochschule Bielefeld sowie Freie Kunst an der Universität der Künste Berlin und der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, wo sie als Meisterschülern bei Professor John Armleder 2004 ihren Abschluss machte. > mehr