Marl Bildhauerei Fotografie

„Betonerinnerung“ hält Kunst an öffentlichen Gebäuden fest

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Viele öffentliche Gebäude mitsamt ihren zeittypischen Kunstwerken sind dem Abriss geweiht. Sebastian Freytag will diese vergessenen Kunst-am-Bau-Werke fotografisch festhalten und wieder in das Bewusstsein rücken.

Seit den 1950er Jahren wird bei öffentlichen Neubauten großer Wert darauf gelegt, diese mit zeit- und ortsspezifischen Kunstwerken zu versehen.  Wandmalerei, Mosaike oder Reliefs schmücken häufig Schulgebäude, Schwimmbäder oder Behörden – ohne dass die Gesellschaft ihnen große Aufmerksamkeit schenkt. „Wir alle sind vermutlich im Laufe unseres Lebens mit einer Vielzahl dieser Werke in Kontakt gekommen, ohne dass wir uns darüber bewusst gewesen sind, dass es sich um Werke eines oft lokalen Künstlers handelt“, sagt Künstler Sebastian Freytag. Heute sind die meisten dieser Gebäude sanierungsbedürftig. Viele von ihnen werden abgerissen und durch Neubauten ersetzt – die fest mit dem Mauerwerk verbundenen Kunstwerke sind dabei oft nicht zu retten. Fotografien werden daher bald die einzige Möglichkeit sein, an die Werke zu erinnern.

„Es ist davon auszugehen ist, dass jeder einer persönliche Erinnerung an diese Werke hat. Schließlich hat man sie fast täglich im Eingang des Schulgebäudes oder beim wöchentlichen Schwimmbadbesuch oder beim jährlichen Finanzamtbesuch gesehen“, erklärt Freytag. Mit seinem Projekt „Betonerinnungen“ will er diesen Erinnerungsorten nachspüren und die Werke wieder zurück in das Bewusstsein bringen.

Dazu macht der Künstler die Werke fotografisch aus ihrem manchmal etwas versteckten Orten im öffentlichen Raum sichtbar: Die Fotografien und Poster werden in Marl eine klassische Litfaßsäule besetzen. Innerhalb einiger Wochen werden Fotos der vergessenen Werke entstehen. Der Künstler ermuntert außerdem die Bürger dazu, Fotos von Werken zu machen, mit denen sie eine persönliche Beziehung haben.

Darüber hinaus wird ein „Betonpodium“ als Informationsort dienen. Hier können Interessierte über die verschütteten, vergessenen und übersehenen Kunst-am-Bau-Werke der Vergangenheit nachdenken, das gesammelte Bildmaterial begutachten und  Material mitnehmen. Die Kunst-am-Bau-Werke werden dabei nur fragementhaft gezeigt, da sie wie ein Erinnerungsmoment aufschimmern sollten. Eines dieser Motive ist ein Werk von Eugen Roth aus dem abgerissenen Schwimmbad. So trägt der Künstler die Bilder wieder zurück in die Öffentlichkeit.

Foto: Sebastian Freytag

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Haltern am See Herne Marl Fotografie

Stickeralben verewigen Eindrücke ausgewählter Städte

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Ein ganz besonderes Souvenir: Die Sticker von Künstlerin Franziska Harnisch können an besonderen Orten abgezogen und im dafür vorgesehenen Sammelalbum verewigt werden.

Für ihr Projekt „public peel off NRW“ erkundete Franziska Harnisch Anfang Mai 2019 Städte in Nordrhein-Westfalen, die sie bislang nicht kannte. „Wie überall bei ersten Begehungen war ich auch hier Tourist. Alles, was ich gesehen habe, sah ich zum ersten Mal“, führt sie aus. Für sie wichtige Punkte hielt sie dabei mit der Kamera fest: Kacheln, Hinweisschilder, Metallstrukturen, Bodenfliesen – um nur einige zu nennen. Aus den Fotos produziert sie in Größe des originalen Motivs Adhäsionssticker, die, in Stapelform übereinandergeklebt, an den vorher fotografierten Originalschauplätzen platziert werden. Am Samstag, 29. Juni, können alle Interessierten die Sticker direkt vom Original abziehen, in Stickeralben kleben und als Souvenir mitnehmen.

Das Projekt findet im Rahmen des Schöppingen-Stipendiums statt.

Die Stickeralben und Orientierungspläne können wie folgt kostenfrei abgeholt werden:

  • Skulpturenmuseum Glaskasten Marl (Creiler Pl. 1, 45768 Marl): 29. Juni 2019, von 11 bis 17 Uhr
  • Emschertal-Museum der Stadt Herne / Schloss Strünkede (Karl-Brandt-Weg 5, 44629 Herne): 28. Juni 2019, von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sowie am 29. Juni 2019 von 14 bis 17 Uhr
  • Buchhandung Kortenkamp in Haltern am See (Lippstr. 2, 45721 Haltern am See): 29. Juni 2019 von 9.30 bis 16 Uhr

Fotos: Franziska Harnisch, Sofia Paule

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Marl Architektur Bildhauerei

Eine öffentliche Wand für Marl

Das Projekt „Res Publica“ reflektiert den Transformationsprozess der Architektur und der Kunst-am-Bau-Werke der Nachkriegsmoderne in Marl.

Marl steht exemplarisch für eine Stadt, die von einer Vielzahl öffentlicher Gebäude der Nachkriegsmoderne geprägt ist – Schulen, das Rathaus, das Hallenbad. Die meisten dieser in den 1950er bis 1970er Jahren gebauten Architekturen wurden durch Kunst-am-Bau-Werke ergänzt. Diese Werke sind teilweise derart mit der Architektur verbunden, dass sie heute dem Betrachter nicht als Kunstwerke auffallen. Da viele der Architekturen unterdessen sanierungsbedürftig sind, stellt sich die Frage, wie mit diesen Gebäuden umzugehen ist. Oftmals wird ein kompletter Abriss der Architektur entschieden, was gleichsam für die fest verankerten Kunst-am-Bau-Werke das gleiche Schicksal bedeutet – zumal sie teilweise eben nicht als Kunstwerke wahrgenommen werden.

Für das Projekt „Res Publica“ sollen diese Kunst-am-Bau-Werke noch einmal öffentlich gemacht werden. Das heißt recherchiert und dokumentiert, in Form von einer Exkursion bzw. Führung erneut betrachtet werden etc.

Eine künstlerische Arbeit im öffentlichen Raum soll die Diskussion und die Aufmerksamkeit initiieren. An der Leerstelle, an der einst das Hallenbad von 1964 stand, soll eine temporäre Wand installiert werden. Die Markierung dieses Ortes ist zentral – hier zeigt sich die Fragestellung signifikant. Der Ort steht für den Transformationsprozess – das abgerissene Hallenbad von 1964, das leerstehende Schulgebäude nebenan von 1966 und das Rathaus von 1966, das vor seiner Sanierung steht. Drei Architekturen der 1960er Jahre.

Für die installierte öffentliche Wand soll zunächst eine Wandmalerei entwickelt werden, die sich in ihrer Gestaltung und Technik an die historischen Vorbilder anlehnt. Handwerklich wäre es erstrebenswert, wenn die Wand vergleichbar der historischen Architekturen aus Kalksteinen gemauert werden könnte, womit eine direkte Referenz zu der benachbarten ehemaligen Schule geschaffen wäre. Die Wandarbeit könnte als Sgraffito-Arbeit ausgeführt werden. Für die gemauerte Wand könnten weitere konzeptuelle Nutzungen über einen längeren Zeitraum geplant werden.

Das Projekt inklusive der recherchierten historischen Werke soll in einer Publikation resümiert und damit grundlegend die Diskussion dokumentiert werden. Zugleich soll damit auch der historische Moment photographisch festgehalten werden.

Über die Arbeit
Die temporäre Mauer auf dem Gelände des ehemaligen Hallenbads in Marl, soll auf die historische Umwälzung der Architektur der Nachkriegsmoderne verweisen. Die Mauer ist umgeben von Werken der 1960er Jahre – ehemalige Hauptschule Kampstraße (gebaut 1966 / 67, derzeit Leerstand), Hans-Böckler-Berufskolleg (gebaut 1950-75, saniert 2003), ehemaliges Hallenbad (gebaut 1962-64, abgerissen 2016), Rathaus (gebaut 1960-66).

Die meisten öffentlichen Gebäude der 1950er bis 1970er Jahre wurden auch mit Kunstwerken ausgestattet.

Die zweischichtige, schwarz-weiße Wandarbeit aus Fassadenputz auf einer Seite der Mauer verweist formal und handwerklich auf die Tradition der Kunst-am-Bau-Werke der 1950er bis 1970er Jahre.

RES PUBLICA entstand in Zusammenarbeit mit dem Skulpturenmuseum Marl und mit Unterstützung der Schüler des Hans-Böckler-Berufskollegs.

Text und Foto: Sebastian Freytag

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Marl Performance

Vom Auto zum Fahrrad

„Autovision 2/3“ skizziert in einer Stadtregion mit extremer Prägung durch den Automobilverkehr die konkrete Nachnutzung der Automobilgesellschaft – mit plastischen Mitteln.

Martin Kaltwasser zerlegt in diesem Kunstprojekt ein Auto komplett in seine Einzelteile und fertigt aus diesen Teilen zwei funktionierende Fahrräder. Bei diesem Prozess können interessierte Menschen jederzeit mitmachen. Diese Open-Air- Automobil-Zerlegungsaktion findet auf dem Gelände der gemeinnützigen, soziokulturellen Werkstatt Brassert / Schacht8 statt, ein Ort der Transformation. Schacht8 ist ein ehemaliges Zechenschachtareal, auf dem Langzeitarbeitslose, in speziellen Programmen arbeitend, wieder an den normalen Arbeitsmarkt herangeführt werden. Sie erfahren dort Möglichkeiten des konstruktiven Übergangs, der Veränderung, die Neuentdeckung eigener Fähigkeiten und Motivationen.

Das Projekt Autovision 2/3, dessen Kern eine Transformation darstellt, nimmt Bezug auf diesen Kontext. Das inmitten eines Forstes gelegene Areal der Werkstatt Brassert / Schacht8 verfügt neben den ehemaligen Zechen-Verwaltungsgebäuden, die jetzt soziokulturell genutzt werden, über großflächige  Gartenanlagen und multifunktionale Freiflächen, die sich für temporäre Aktionen, wie eine künstlerische Autodemontage eignen. Im überdachten Open-Air-Werkstattbereich finden danach die komplizierten Montage-, Justier- und Schweißarbeiten statt.

Diese Kunstaktion, Autovision 2/3, ermöglicht den auf Schacht8 tätigen und betreuten Menschen, ihren Horizont zu erweitern, überraschende Möglichkeiten und Ideen zu entdecken, selber durch ihr Mitmachen auf solche Entdeckungsreisen zu gehen und das Spielerische des Do-It-Yourself zu erfahren.

Das Zuschauen und gegebenenfalls kurzzeitige Mitmachen bei der Erkundung der ingenieurtechnischen Genialität von Autoinnenlebenarchitekturen und ihrer unendlichen Weiternutzungspotentiale: Ingenieurtechnisches, skulpturales und materialkundliches Wunderland, dessen anatomische Erforschung und Zerlegung immense kreative Prozesse entfaltet.

Die Aktion Autovision 2/3 ist sicherlich für die meisten Menschen in diesem Umfeld mehr als ungewöhnlich, leben sie doch im Ruhrgebiet in einer städtischen Region, in der sie Kunst eher marginal erleben, in der die Automobilkultur weitgehend unhinterfragt und unreflektiert den Status einer Hegemonialkultur innehat. Sie wird im Ruhrgebiet nach wie vor stetig ausgebaut und radikal verteidigt, sie verdrängt Menschen, Raum und Natur, beziehungsweise verleibt sich diese ein. Wer als erwachsener Mensch kein Auto hat, gilt als Loser. Diesen Status Quo hinterfragt diese künstlerische Aktion auf spielerisch-konkrete Weise.

Dem Künstler ermöglicht die Arbeit auf Schacht8, durch die mehrwöchige tägliche Arbeit an dem Projekt in diesem Umfeld, da man für eine Weile Seite an Seite arbeitet, die dort tätigen und betreuten Menschen kennenzulernen, Gespräche zu führen, in den jeweils anderen Kontext zu schauen und daran teilzuhaben.

Fotos: © VG Bild-Kunst Bonn / Martin Kaltwasser

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