„spaliergewächs“ in Halle (Westf.)

Mehrere großformatige Kunstwerke und bemalte Leinwände stehen auf einem offenen Parkplatz zwischen roten Backsteingebäuden. Die Arbeiten sind auf Holzgestellen präsentiert und bilden eine begehbare Ausstellung im öffentlichen Raum. Einzelne Sitzmöbel ergänzen die Installation unter einem bewölkten Himmel.

Für die Stadtbesetzung 2026 in Halle (Westf.) erarbeiten Lena Schäfferling und Janice Jensen eine Installation, die an zentraler Stelle in der Innenstadt aufgebaut wird. Auf einem großformatigen Stoffprint vereint das Duo Zeichnungen, die sie vorher zu einer digitalen Patchworkdecke verwebt haben. Die Zeichnungen stellen verschiedene Orte dar, die von den Künstlerinnen in der Vergangenheit besucht wurden. Der Stoff wird mithilfe eines halbrunden Gerüsts zu einer Art Zeltdurchgang gespannt, durch das sich die Besuchenden hindurchbewegen können. Es wird das immersive Gefühl vermittelt, in der Zeichnung zu stehen. Der lichtdurchlässige Stoff schafft eine besondere Atmosphäre beim Durchgehen und transportiert die Hindurchgehenden für einen kurzen Moment an einen anderen Ort. Die Installation unterbricht somit den Alltag der Passanten und lädt zum Innehalten ein.

Foto: Lina Dannemann

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Das Bielefelder Künstlerinnenduo advanced cut, Lena Schäfferling (*1995) und Janice Jensen (*1994), arbeitet seit 2021 mit räumlichen Installationen im öffentlichen Raum, welche sich performativ oder gestalterisch mit Landschaft und Umgebung auseinandersetzen. > mehr

„Martian Episodes“ in Halle (Westf.)

Eine Frau steht mit Kopfhörern vor einer Großbildablichtung einer Marslandschaft.

Mit „Martian Episodes“ entwirft Betty Böhm ein spekulatives Szenario, das die Besuchenden in eine dreidimensional erfahrbare Marslandschaft mitnimmt.

Die Dämmerung des Holozäns, jenes wohlbalancierten und lebensfördernden Erdzeitalters aus dem wir Menschen hervorgegangen sind, droht. Statt solidarisch die überfälligen Maßnahmen gegen den drohenden Klimakollaps umzusetzen, drängen wir stattdessen darauf, schleunigst den Mars habitabel zu machen, um zu gegebenem Zeitpunkt auswandern zu können. Von diesem vermeintlichen Privileg würde dabei nur ein kleiner Teil der Menschheit profitieren. Der Mars ist für uns Menschen jedoch ein extrem lebensfeindlicher Planet. Aufgrund seiner über einen langen Zeitraum abgetragenen und so ausgedünnten Atmosphäre steht er konstant unter Beschuss von Sonnenwinden und kosmischer Strahlung. Zudem ist der atmosphärische Druck für uns Menschen viel zu niedrig, Sauerstoff lässt sich nur in Spuren finden und fließendes Wasser existiert nicht. Nichtsdestotrotz gibt es den ambitionierten Plan eines groß angelegten Terraformings auf dem Mars. Die Menschheit möchte also nicht weniger als den gesamten Planeten nach ihren Bedürfnissen umzugestalten.

„Martian Episodes“ beleuchtet die Ambivalenz zwischen der Faszination für einen zum Greifen nahen fremden Planeten, für die bahnbrechenden technologischen Errungenschaften der Menschheit einerseits und der tatsächlich zu erwartenden extrem gefährlichen, entbehrungsreichen und potenziell tödlichen Bedingungen für die ersten Kolonisten auf der anderen Seite.

Kann man einen Erdling zum Marsianer machen? Wenn ja, wie viele Generationen, wie viel evolutionäre Anpassung, wie viel Entmenschlichung ist notwendig? Was darf der Mensch überhaupt? Alles wozu er technologisch im Stande ist? Gibt es eine übergeordnete moralische Instanz? Ist es vermessen den Mars einzunehmen? Oder logische Konsequenz unseres Wesens?

Mit „Martian Episodes“ hat Betty Böhm ein immersives und spekulatives Szenario entworfen, das die Besuchenden mittels Rot/Blau-Brillen in eine dreidimensional erfahrbare Marslandschaft, eine aus NASA Stereo-Fotografien der Marsoberfläche montierte Szenerie, mitnimmt. Via Discman und offenen On-Ear-Kopfhörer taucht man in ein Hörstück ein, das einem das Gefühl vermittelt, in einem Raumanzug zu stecken. Der Atem geht schwer, die Schritte sind gedämpft und immer wieder ertönen unvermittelt Durchsagen über Vitalfunktionen, Strahlungsintensität und dergleichen. Von draußen klingt ein stetig wehender Wind zu den Fahrgeräuschen des aktuellen Rovers Perseverance …

Der Einsatz eigentlich schon längst überholter Technik wie dem Stereo 3D Effekt und dem Discman stellt dabei einen Kommentar zu der ungeheuren Geschwindigkeit unserer technologischen Entwicklung als auch zu der Art und Weise wie wir stetig deren Produkte konsumieren, ‚entsorgen‘ und durch neue ersetzen. Mit unseren zahlreichen Missionen in den Marsorbit und auf dessen Oberfläche haben wir schon lange begonnen diesen einst unberührten Planeten unwiederbringlich zu verändern. Landegeräte, Fallschirme und ausgediente Rover sind unser erster menschlicher Fußabdruck auf dem Mars …

Foto: Besucherin bewegt sich durch die Marslandschaft © Betty Böhm

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