Viersen Installation Performance

Klimarondell lässt Gemüse an der Städtischen Galerie in Viersen wachsen

Wie haben sich die Bürger*innen aus Viersen von der Natur ernährt? Welches Wissen um die Nutzung der Natur ist heute noch greifbar? Eine künstlerische Auseinandersetzung.

Seit Mitte Mai prangt ein monumentales rundes Hochbeet mit fünf Metern Durchmesser gleich neben der Skulptur „Optimus“ von Günter Haese auf den Grünflächen, die die „Galerie im Park“ in Viersen umgeben. Das „Preserved-Klimarondell“ ist ein Werk des in Hamburg ansässigen Künstlerduos Scheibe & Güntzel. In ihren gemeinsamen Arbeiten wie im Einzelwerk stehen die Natur und die Rolle, die der Mensch in der Gestaltung von Landschaft spielt, im Mittelpunkt. Jan Philip Scheibe und Swaantje Güntzel (beide *1972) beschäftigen sich so auf humorvolle und ästhetische Weise mit Themen wie dem Klimawandel.

Im Rahmen des Projektes Stadtbesetzung des Kultursekretariats NRW Gütersloh, an dem sich die Städtische Galerie im Park auch 2021 wieder beteiligt, knüpfen sie an ihre Werkreihe „PRESERVED“ an. Ihr Klimarondell passt perfekt in die diesjährige Auflage der Reihe rund um Kunst im öffentlichen Raum, denn die Stadtbesetzung steht diesmal unter der Überschrift „UMDENKEN. Klimawandel ↔ Kulturwandel“.

Scheibe und Güntzel planten ein ornamentartiges akkurates Rondell – aus Gemüsepflanzen, das nun statt einer gepflegten Blumenrabatte die Grünanlage prägt. Mit den Mitteln der Kunst veranschaulichen sie, wie sich die Menschen einer Region lange von der sie umgebenden Natur ernährt haben, welche Bilder und Geschichten diese Beziehung begleiten und welches Wissen um die Nutzung der Natur noch greifbar ist.

Während der Gartensaison 2021 stellt sich das Künstlerpaar in Viersen Fragen wie: Welche Pflanzen wuchsen früher hier, wachsen aktuell und werden in Zukunft im fortschreitenden Klimawandel in den Gemüsegärten und Äckern der Region wachsen?

Am Tag des Bonifatius, des Vorletzten der „Eisheiligen“, wurde am 14. Mai der Grundstock gelegt. Für die Bepflanzung des runden Hochbeets schlüpften Scheibe und Güntzel bewusst in ihre Rollen als Kunstfiguren. Im geblümten Kleid mit den dazu passenden Pumps und im dunklen Anzug – nicht eben das Outfit des klassischen Gärtners – legten sie ihre Gemüserabatte an, die in den nächsten Wochen und Monaten gedeihen soll.

Pflanzen, die früher in heimischen Gärten alltäglich waren, wachsen nun neben momentan gefragten Gemüsen und Exoten, die erst im wärmer werdenden Klima am Niederrhein Überlebenschancen bekommen. So zieren Bananenstaude und Eukalyptus die Beetmitte, während in ordentlich gezogenen Kreisen rundum Stielmus, Weißkohl, Lauch, Dicke Bohnen und Rote Beete angelegt sind, dazu Süßkartoffeln. Den äußeren Ring nimmt die Kapuzinerkresse sein, die bereits jetzt ihre leuchtenden – essbaren – Blütenblätter entfaltet. Hier werden im Beet-Ornament zudem Honigmelonen Akzente setzen.

Fotos: Justyna Janetzek / VG Bild-Kunst

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