Stadtbesetzung extra Installation Intervention Performance

Künstlerische Ideen für leerstehende Immobilien in Blomberg

Blomberg // Vier Ladengeschäfte in Blomberg sind künstlerischer Aktionsraum auf Zeit. Die Künstler begreifen die Leerstände nicht als Problem, sondern als Chance für Neues.

Mit ihrer künstlerischen Suche nach Visionen für Blomberg haben Petra Spielhagen aus Berlin und Samuel Treindl aus Münster bereits begonnen: Seit dem 18. Juli betreiben sie am Langen Steinweg 10 ihr Büro. Blomberger Bürgerinnen und Bürger werden aufgefordert, ihre eigenen Visionen für Blomberg zu entwickeln und vorzustellen. Welche Ideen gibt es? Wie könnte Blomberg in 50 oder 100 Jahren aussehen? Die Ergebnisse dieser „Visionssuche“ werden am 5. August in einer Ausstellung präsentiert.

„Second Life – Mode mit Geschichte” heißt das Projekt, das die Künstlerin und Modedesignerin Laura Schlütz in der Neuen Torstraße 36 am 25. Juli eröffnet. Sie fordert ihre Kunden dazu auf, ein Kleidungsstück mit Geschichte vorbeizubringen, an dem vielleicht so manche Erinnerung hängt, das aber so nicht mehr getragen wird. Die zusammengekommenen Geschichten und die von ihr zu aktuellen stylischen Kreationen umgearbeiteten alten Kleidungsstücke werden in einer Ausstellung ebenfalls am 5. August gezeigt.

Direkt gegenüber gibt es in der Neuen Torstraße 35 einen Laden mit verwandtem Ausgangspunkt: UM-DESIGN bietet Möbel und Objekte aus Recyclingmaterialien und zusätzlich nachmittags Workshops, in denen Techniken zum Recyceln von zum Beispiel Textilien und Papier ausprobiert werden können. Zusätzliche Veranstaltungen wie eine Kleidertausch-Party sind hier geplant. Gestaltet wird der Raum von den Berliner Künstlerinnen Kornelia Hoffmann, Franziska Hünig und Patricia Lambertus.

Die vier Berliner Künstler Johanna Michel, Jinran Ha, Mateo Contreras Gallego und Friedrich Weber werden am Langen Steinweg 20 den aktuellen Widerspruch zwischen Leerstand und Raumnot künstlerisch thematisieren.

Durchgeführt wird das Projekt vom Verein Wasserschloss Reelkirchen e.V. mit Unterstützung der Regionalen Kulturpolitik des Landes NRW. Sponsor ist die Firma Phoenix Contact.

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Stadtbesetzung extra Installation Performance

Der Leerstand in mir wird auch von dir nicht gefüllt

Lemgo // Bis zu seinem 21. Lebensjahr wohnte der Licht- und Performancekünstler Jan Philip Scheibe in Lemgo. Für die Stadtbesetzung kehrt er noch einmal zurück.

Er macht sich auf die Suche nach seiner eigenen latenten Geschichte, die oft einen direkten Ortsbezug innerhalb und außerhalb der Stadt hat und bringt diese in Verbindung mit seiner bald 20jährigen Erfahrung als Künstler und dem Istzustand der Stadt. Dabei wird anhand von Performances und temporären Installation nach und nach der gesamte Stadtraum bespielt und besetzt, oftmals mit Licht. Für jeweils zwei Wochen werden befreundete Künstler, die Jan Philip Scheibe während seiner Aufenthalte und Projekte im In- und Ausland kennengelernt hat, eingeladen, um die Stadt aus einer neuen Perspektive zu sehen und auf sie künstlerisch zu reagieren. Die Künstler wohnen in dem momentan leerstehenden Elternhaus des Künstlers. Das Haus wird so zum Herz und Ankerpunkt des Projekts.

Das Haus am Ende der Straße, am Ende der Stadt steht leer. Die großen Fensterfronten blicken leer auf die im Tal liegende Stadt. Niemand liegt, hört im Schlafe das Rauschen der nahen Buchenwälder. Niemand rutscht auf Socken die steile Holztreppe herunter. Niemand baut, niemand denkt, niemand lacht, niemand schreit, niemand friert. Das Elternhaus des Künstlers steht leer. Die Wege zwischen den Feldern, dem Neubaugebiet, durch den Wald, auf den Berg, zu dem Fluss zwischen den Wiesen werden nicht von ihm begangen. Dabei nahm alles seinen Ausgang hier. Die Sehnsucht, das Verständnis, die Erkenntnis. Nach Landschaft, nach Jahreszeiten, nach Menschen, nach Festen, nach Kunst.

Ein paarmal im Jahr kommt der Künstler, um sich um Auffahrt und Garten zu kümmern. Gräser und Löwenzahn aus den Fugen zu entfernen, die Bäume und Sträucher zu den Nachbargrundstücken zu beschneiden. Die Regenrinnen sauberzumachen. Einzig die große Garage hat noch Funktion; sie dient als Zwischenlager des Künstlers.

Im Sommer 2018 zieht der Künstler wieder ein. Für vier Wochen spürt er seinen Ausgängen nach. Er erzählt von offensichtlichen und latenten Geschichten, beobachtet die Wechselwirkungen zum Jetzt. Spürt persönlichen Brüchen nach und beobachtet die Differenzen der Stadt. Kommentiert die Beobachtungen durch Kunst. Dabei kommt es zu einer retrospektiven Vorgehensweise ebenso wie zur Entwicklung neuer Arbeiten. Vielleicht besuchen ihn Künstlerfreunde. Reagieren unvermittelt auf Haus, die Landschaft und die Stadt.

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Der nördlichste Vulkan Deutschlands

Sandebeck // In dem Ort Sandebeck liegt der nördlichste Vulkan Deutschlands. Ein ganz besonderer Naturerlebnisraum – und genau der richtige Ort für ein partizipatorisches Kunstprojekt.

Das dachten sich auch Christiane Limper und Bernward Dömer. Ihr Ziel: An dem Vulkanembryo soll ein neuer Freiraum entstehen, indem die Schneise zum Vulkan freigelegt und damit auch über das Kunstprojekt hinaus für Besucher zugänglich gemacht wird.

In Sandebeck gibt es wöchentlich ein ehrenamtlich geführtes Café als Anknüpfungspunkt. Mitten im Ort finden freie Workshops statt, in denen die Teilnehmer eigene Ideen zum Thema entwickeln können. Die Vorgehensweise des künstlerischen Projektes soll ein ergebnisoffener Prozess sein.

Das sagt Künstlerin Christiane Limper: „Als wir den Vulkan in Sandebeck im Rahmen der Feldforschung OWL im November 2017 erstmalig gezeigt bekamen, haben wir den Ort direkt als etwas ganz besonderes wahrgenommen. Sofort hatten wir große Lust künstlerisch dort zu arbeiten. In unserer Heimat hier in Flensburg erleben wir es immer wieder: Wenn Besuch kommt, entdeckt man völlig neue Dinge. Man nimmt selbstverständlich Gewordenes wieder neu wahr. Das Meer – die Ostsee ist zwar immer da, aber im Alltag hier oben auch nicht immer präsent.“

Sie fragten sich also: Wie nehmen die Bewohner des Ortes den Vulkan wahr? Gibt es Geschichten aus alten Zeiten? Ein Vulkan an sich birgt schon etwas Unkontrollierbares und wirft viele Fragen auf. Vulkanenergie löst eine Faszination aus, die auf unsere Ursprünge zurück geht.

Zusammen mit Bernward Dömer hat Christiane Limper bereits im Jahr 2017 mit Tiermasken aus Recyclingmaterial performativ gearbeitet. Dieses Element künstlerischer Arbeit erproben sie im Umfeld des Vulkans neu: Eine Maske versteckt und schützt ihren Träger und gibt ihm die Möglichkeit, für eine Weile aus dem normalen Leben auszusteigen. Der Mensch in Tiergestalt ist ein kraftvolles Bild und eine Verstärkung, etwas mit ganz anderen Augen zu sehen und selbst auch ganz anders wahrgenommen zu werden.

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