Herten Performance

Kunstaktion macht Herten zur „Regenbogen-Stadt“

Stadtbesetzung 2019, Herten, Rainbow, Foto Initiative Stadt.Kunst und Art (2)

Das Lied „Somewhere over the Rainbow“ liegt dieser Kunstaktion zu Grunde, die zeigen möchte, das kulturelle Vielfalt die Stadt Herten bunter, lebendiger und spannender werden lässt.


Die Idee (Jürgen Fischer)
Der Song „Somewhere over the Rainbow“ von Judy Garland wird als musikalischer Hintergrund einer künstlerischen Vorführung angelegt, in der es um die Vorstellung einer lebendigen, harmonischen, gesprächsbereiten und multikulturellen Stadtgesellschaft geht, gleichsam um ein Bild von einer bunten „Regenbogen-Stadt“.

Die Spannung zwischen der Möglichkeit eines aus vielen Herkünften, Hautfarben, Sounds und Bewegungen zusammengesetzten harmonischen „Stadtkörpers“ und der überwiegenden Realität von Zersplitterung, Isolation und Konfrontation soll im Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzung stehen.

Die Aktion soll also zeigen, dass Toleranz in der kulturellen Vielfalt aller in Herten lebenden Menschen das Stadtleben bunter, lebendiger, spannender und damit schöner werden lassen kann.

Die Aufführung
Innerhalb einer ein- bis zweistündigen Aufführung soll moderner Tanz (mit Musik und Bühnenbild-artigen Elementen) mit dem öffentlichen Raum verbunden werden. Als Aufführungsort wird die Hermannstraße gewählt, weil sie als innerstädtische Haupteinkaufsstraße den größtmöglichen, aber auch zufälligen Kontakt zu den Menschen in der Stadt erwarten lässt.

Die Choreografie soll eine Zwischenform zwischen Ausstellung und Aufführung sein. Der menschliche Körper wird einerseits als Skulptur dargestellt (die Künstler stehen bewegungslos auf einer kleinen Bühne). Andererseits bewegen sie sich nach einer vorher einstudierten Choreografie zu moderner Musik. Als inhaltlicher Ausgangspunkt dienen Musikstile und Tanzgewohnheiten moderner Jugendkulturen im öffentlichen Raum der Ruhrgebietsstädte.

Die Vorbereitung
Ein Choreograf wird beauftragt, mit Jugendlichen aus verschiedenen Kulturen (mindestens vier Tänzer, vielleicht auch mehr) eine etwa zehnminütige Choreografie zu einer entsprechenden Musik zu produzieren, die die beschriebene Vision tänzerisch erzählt. Diese Choreographie wird bereits vor der öffentlichen Aufführung aufgenommen, um eventuell während der Veranstaltung als Video über Monitore zugeschaltet bzw. eingespielt zu werden.

Die Durchführung
Für die Kunstaktion selbst wird die Choreografie dann in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt: Die einzelnen Ensemblemitglieder werden in menschengroßen Vitrinen-artigen Elementen „vereinzelt“ ausgestellt. Die vier Vitrinen werden im Abstand von vielleicht 20 Metern entlang der Hermannstraße aufgestellt und sind mit Lautsprechern ausgestattet. Alle zehn oder zwanzig Minuten führen die Tänzer in den Vitrinen die „Rainbow“-Choreografie auf. Die Vision wird also quasi in Stücke gerissen.

In den Zeiträumen, die zwischen den Aufführungen der Choreografie liegen, läuft aus den Lautsprechern die erste Strophe des kitschig-schönen Popsongs „Somewhere over the Rainbow“ in Dauerschleife. In dieser Zeit sind die Performer unbeweglich wie Standbilder in den Vitrinen zu sehen.

Die Beteiligung
Es ist beabsichtigt, die Kreativ-Szene der Stadt bei der Umsetzung dieses Projektes zu beteiligen. Dies soll zum Beispiel dadurch geschehen, dass in Kooperation mit dem Kreativzentrum Vest e.V. (Art.62) die Choreografie erarbeitet wird. Auch der Bau und die Gestaltung der Vitrinen soll unter Einbeziehung örtlicher Initiativen (z.B. der KreativWerkstatt) erfolgen. Damit wird aus der Aktion nicht eine einmalige zweistündige Aufführung, sondern eine mehrere Wochen dauernde handwerkliche und künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Multikulturalität bei den beteiligten jungen Menschen.

Mit dem während der Proben entstehenden Film soll in den weiterführenden Schulen in Herten vorab auf die Aktion aufmerksam gemacht und zur Auseinandersetzung mit dem Thema angeregt werden.

Die Performance erfordert einen vergleichsweise hohen Ausstattungsaufwand, ohne den die Idee nicht überzeugend vermittelt werden kann. Der Großteil der Materialien soll nach der Aktion örtlichen Jugendkultureinrichtungen oder auch Schulen zur weiteren Arbeit überlassen werden.

Der dadurch auch finanziell hohe Aufwand ist durch die breite Öffentlichkeitswirkung (auch in der Presse) und die große Zahl der direkt erreichbaren Menschen gerechtfertigt.

Kristallisationspunkt
Als Kristallisationspunkt während der Aktion soll das Glashaus dienen. Dort soll zum Abschluss der Aktion die ursprüngliche Choreografie vom vereinten Ensemble aufgeführt werden. Hier und gegebenenfalls in anderen Schaufenstern in der Hermannstraße und in Leerständen auf der Ewald- oder Antoniusstraße könnte auch das Video mit der ursprünglichen Choreografie während der Zwischenzeiten und auch in den Wochen danach auf Monitoren gezeigt werden.

Zur Initiative STADT.KUNST
Mit dem Projekt will die Initiative ihre Bemühungen fortsetzen, künstlerische Aktivitäten im öffentlichen Raum anzustoßen oder zu ermöglichen. Das Ziel ist es dabei, der Kunst zu einer beständigen Wahrnehmung zu verhelfen und ihren Stellenwert stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. STADT.KUNST lässt sich von der Sichtweise leiten, dass die Kunst im öffentlichen Raum in Herten als Stadt im intensiven Strukturwandel eine besondere Bedeutung hat, da sie einen Beitrag zu einer humaneren und ästhetischeren Lebenswelt leisten kann. Mit der aktuell vorgestellten Aktion geht die Initiative STADT.KUNST über die rein künstlerische Auseinandersetzung hinaus und wird politisch, im Dienst des Einsatzes für eine demokratische Gesellschaft.

STADT.KUNST ist 2011 gegründet worden und hat seitdem über die Veranstaltungen im Rahmen der Reihen KUNST.GESPRÄCH und KUNST.SPAZIERGANG, die auch regelmäßig über die Medien beworben sind, zahlreiche Themen der Kunst im öffentlichen Raum in Herten und Umgebung angesprochen, zuletzt im Rahmen des Besuchs der griech.-orthodoxen Kirche Hl. Dimitrios. Seit 2016 hat STADT.KUNST einmal jährlich eine eigene Kunstveranstaltung in Herten organisiert.

Foto: Initiative STADT.KUNST und Art.62

Termine

Herten Jonglage Musik

Baustelle wird zum Kunst-Schauplatz

Die Initiative STADT.KUNST Herten realisiert eine außergewöhnliche Kunstaktion aus Anlass des Umbaus der Gewässer Backumer Bach und Resser Bach in Herten.

Zwei Jongleure und ein Musiker treten an einem ungewohnten Ort in ein Wechselspiel der besonderen Art. Keulen fliegen durch die Luft, lassen kunstvolle Figuren und angedeutete Bilder entstehen, die mit live-gespielten Klängen korrespondieren und interagieren. All dies folgt einer präzise ausgearbeiteten Choreografie, die die Künstlerin Katrin Wegemann gemeinsam mit den Jongleuren Marie Seeger und Thomas Dürrfeld sowie dem Musiker Hannes Lingens im Rahmen des vom Kultursekretariat NRW initiierten Projektes Stadtbesetzung III entwickelt hat. Die ortsbezogene Performance wird aufgeführt im Umfeld der Baustellensituation am Backumer Bach und Resser Bach im Grenzbereich der Städte Herten und Recklinghausen.

Die Bäche kennen viele seit Jahrzehnten als offene betonierte Rinnen, durch die ungeklärte Abwässer  in die Emscher abgeführt werden. Im Zuge des Emscher-Umbaus werden auch diese Bäche im Anschluss an den Kanalbau durch die Emschergenossenschaft naturnah umgestaltet. Der aufwändige Umbau des Emscher-Systems symbolisiert nicht zuletzt den tiefgreifenden Wandel, der Identität und Erscheinungsbild der gesamten Region verändert. Unter dem Titel „Alles bewege sich und nichts habe Bestand…“ setzt sich das Hertener Kunstprojekt mit den Prozessen des Wandels auseinander und thematisiert die Veränderung der Gewässer und der Landschaft am Backumer Bach und Resser Bach.

Die gegenwärtige Baustelle mit ihren Baggern und Bulldozern, mannshohen Betonröhren und aufgeschütteten Erdhügeln dient dabei gleichermaßen als thematischer Anknüpfungspunkt wie auch als eindrucksvolle Kulisse für die dreiteilige audiovisuelle Performance, die sich auf Entwicklungen der Vergangenheit, gegenwärtige Handlungspotentiale und zukünftige Perspektiven im Spannungsfeld von urbanem Umfeld und gestalteter Natur bezieht.

Die hoch artifizielle Performance regt zu einem Nachdenken über Künstlichkeit und Natürlichkeit an, sind doch auch die umgestalteten Bäche letztlich ein künstlich geschaffener Naturraum, eingerichtet im urbanen Zwischenraum der Städte Herten und Recklinghausen. Zugleich machen die nur im Augenblick existierenden Bilder und flüchtigen Klänge der künstlerischen Intervention deutlich, dass jeder erreichte Zustand niemals endgültig, sondern wiederum Ausgangspunkt für weitere Prozesse des Wandels ist. „Alles bewege sich und nichts habe Bestand…“

Das Projekt wird vom Kultursekretariat NRW Gütersloh sowie der Emschergenossenschaft gefördert und in Kooperation mit der Stadt Herten realisiert.

Fotos: Roland Baege, Verena Brüning

Presse vom 11.09.2018
Presse vom 14.09.2018

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Herten Bildhauerei Performance

Künstler-WG besetzt Herten

Wenn weiße Bälle durch die Stadt wandern, der Wochenmarkt zum Kunst-Markt wird und noch viel mehr Merkwürdiges passiert, dann heißt es in Herten „Kunst besetzt Stadt“.

Die Hertener Initiative STADT.KUNST holt dieses einmalige Ereignis im September nach Herten. Unter dem Titel „Stadtbesetzung II – Der menschliche Körper“ findet es in diesem Jahr in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens statt. Gefördert wird es vom Kultursekretariat NRW Gütersloh und dem european centre for creative economy.

Wie kann man sich diese künstlerische Stadtbesetzung praktisch vorstellen? Vier Künstlerinnen und Künstler aus Berlin und Herten gründen vom 1. bis zum 30. September an der Ewaldstraße 20 eine Wohngemeinschaft. Zeitweise wird auch das Erdgeschoss des ehemaligen Woolworth-Gebäudes an der Ewaldstraße 16 (heute im Besitz des Vereins Waldritter) als Raum für eine offene Werkstatt genutzt.

Die Künstlerinnen und Künstler Klara Adam, Per Olaf Schmidt, Markus Zimmermann (alle Berlin) sowie Katrin Wegemann (sie stammt aus Herten/Recklinghausen und lebt in Berlin) werden von ihrem Standort im Herzen der Stadt aus verschiedene Kunstaktionen durchführen. Für diese Kunstaktionen haben alle bereits gute Ideen. Wie es dann aber vor Ort aussehen wird, das lassen sie bewusst offen. Sie wollen sich von der Stadt inspirieren lassen. Ebenso suchen sie den Kontakt zu den Menschen in Herten. Alle Vier wollen mit ihrer Kunst sehr grundsätzliche Fragen thematisieren – vom Wert des Konsums bis zum Sinn des Lebens.

Markus Zimmermann hat bereits 2012 das Format „Superfiliale“ entwickelt. Er verschenkt beispielsweise in Herten persönliche Souvenirs oder erzählt die Geschichte des Gegenstandes, den er anschließend zerstört. Damit verändert er einerseits den Gegenstand in krasser Form, gibt aber seine eigene Geschichte gleichzeitig an einen Fremden weiter. „Bei dieser Zerstörung vor den Augen der Anderen passiert etwas“, sagt Zimmermann, für den das Thema Trennung große Bedeutung hat.

„So nicht!“ ist der Titel der Kunstaktion von Klara Adam. Sie will ihr Ausstellungsformat exakt auf Herten zuschneiden, sich vor Ort inspirieren lassen. Mit „So nicht!“ fordert sie kreativ zur Verweigerung auf. Sie will zeigen, dass Verweigerung positives Potenzial hat. „Man kann damit gedankliche Freiräume schaffen.“

Per Olaf Schmidt kommt mit der Aktion „Wir bleiben alle“. Er will Kabel durch die Stadt verlegen und mit deren Hilfe beispielsweise Bewegung, Temperatur oder Licht an einen anderen Ort bringen. Sein Ziel dabei ist, sich selbst und andere zu überraschen und zum Lachen zu bringen. „Ich habe kein großes Sendungsbewusstsein,“ sagt er. Dafür setzt er mittels Kabel auf Verbindungen.

Die Veränderung und Wahrnehmung von Zeit ist das große künstlerische Thema von Katrin Wegemann. Ihre Aktion für Herten heißt „abrollen, hochfliegen, landen“. Dafür arbeitet sie zur Stadtbesetzung mit einer 8. Klasse des Neuen Gymnasiums Bochum zusammen. Die hat ein Spiel entwickelt, das in Herten zu sehen sein wird. Katrin Wegemann: „Ich füge die Bälle hinzu.“ Für Wegemann geht es um die Verlangsamung von Zeit. „So kann man mehr auf die Details achten.“

INFO:
Kunstaktion der Initiative STADT.KUNST „Kunst besetzt Stadt“ in Kooperation mit der Stadt Herten,Fachbereich Kultur; Öffentliche Aktionen an allen September-Freitagen (8., 15. und 22. 9. von 9 bis 13 Uhr) auf dem Hertener Wochenmarkt; Abschlusspräsentationen am 29. und 30. September.

www.stadtkunst-herten.de

Fotos: Rainer Lange, Dagmar Hojtzyk

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